CfP: „Literatur als Gedankenexperiment / Literature as Thought Experiment“, Naumburg (Saale) (31.10.2016)

Call for Papers für die Tagung Literatur als Gedankenexperiment / Literature as Thought Experiment | Naumburg (Saale)

Deadline Abstract: 31. Oktober 2016
Datum der Veranstaltung: 16.-18. März 2017

Die Tagung ist an der Schnittstelle zwischen Literaturwissenschaft und Philosophie angesiedelt und greift eine aktuelle Überlegung der Literaturphilosophie auf: Im Kontext der interdisziplinären Frage um die Erkenntnisqualität von fiktionaler Literatur ist vorgeschlagen worden, Literatur als eine Art Gedankenexperiment aufzufassen. Die zentrale These lautet dabei: So wie wir durch (philosophische) Gedankenexperimente etwas über die Wirklichkeit lernen können, obwohl wir uns nicht auf tatsächliche Erfahrungen beziehen, können wir durch fiktionale Literatur etwas lernen, obwohl es sich um erfundene Begebenheiten handelt. Fiktionale Geschichten konstruierten dieser Ansicht nach, ebenso wie Gedankenexperimente, ein ‚experimentelles setting‘, um etwas über die signifikanten Faktoren menschlicher Verhaltensweisen herauszufinden. Doch gegen die Analogie von Literatur und Gedankenexperiment sind auch Einwände erhoben worden: Dem fiktionalen literarischen Werk fehlt zumeist die Einleitung in das kontrafaktische Szenario, welche Gedankenexperimenten eigen ist. Ebenso findet keine explizite Auswertung des Szenarios in Bezug auf epistemische Fragestellungen statt, die ein Gedankenexperiment zu beantworten sucht. Außerdem handelte es sich bei fiktionalen Werken um ausgesprochen lange und detailreiche Gedankenexperimente, die darüber hinaus ein großes Spektrum an Interpretationsmöglichkeiten zulassen. Die Interpretation von Gedankenexperimenten sollte jedoch möglichst eindeutig ausfallen.

Die Tagung möchte einen relevanten Forschungsbeitrag leisten, indem sie die These von Literatur als eine Art Gedankenexperiment am Beispiel konkreter literarischer Beispiele sozusagen ‚austestet‘: Wir bitten die ReferentInnnen, ein literarisches Werk aus ihrem Forschungsbereich vorzustellen und im Sinne eines Gedankenexperimentes zu rekonstruieren. Was wäre das Erkenntnisziel des Gedankenexperimentes? Durch welches ‚experimentelle setting‘ soll es erreicht werden? Welche Faktoren werden dafür isoliert, welche ignoriert? Welche künstliche Versuchssituation wird herbeigeführt? Funktioniert das Gedankenexperiment? Ist es ein gutes Gedankenexperiment? Können wir etwas lernen, oder ist das Ergebnis trivial? Auf diese Weise möchten wir erreichen, dass nicht nur, wie es im Bereich der Literaturphilosophie häufig der Fall ist, über Literatur, sondern tatsächlich mit Literatur philosophiert wird. In den Präsentationen soll sich dabei ein vielfältiges, sowohl die Literatur und die unterschiedlichen literarischen Formen wie auch das philosophische Nachdenken jeweils umfassend berücksichtigendes Gespräch ergeben.

Organisation:
Dr. Falk Bornmüller (Universität Magdeburg), Mathis Lessau, M.A. (Universität Freiburg), Dr. Íngrid Vendrell Ferran (Universität Jena), Johannes Franzen, M.A. (Universität Freiburg)

Hiermit laden wir interessierte NachwuchswissenschaftlerInnen aus der Philosophie und/oder der Literaturwissenschaft ein, uns bis zum 31. Oktober 2016 einen aussagekräftigen Vorschlag für einen Vortrag sowie einen kurzen akademischen Lebenslauf (insgesamt max. 1 Seite) an falk.bornmueller@ovgu.de und mathis.lessau@philosophie.uni-freiburg.de zu schicken.

Eine Zusage für die Teilnahme an der Tagung erfolgt bis Ende November, Reise- und Übernachtungskosten werden im üblichen Rahmen erstattet.

via Deutsche Gesellschaft für Philosophie e. V.

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