Netzwerk „Lyrikologie. Konturen eines Forschungsfeldes“

An der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat im Oktober das DFG-geförderte Netzwerk Lyrikologie. Konturen eines Forschungsfeldes seine Arbeit aufgenommen.

Das Netzwerk hat zum Ziel, den Arbeitsbereich Lyrikforschung schärfer als bisher zu konturieren und auf diese Weise ein klar umrissenes Forschungsfeld Lyrikologie zu etablieren. Die Teilnehmer gehen dabei von der Annahme aus, dass es möglich ist, eine systematische Gattungstheorie der Lyrik zu entwickeln. Analog zu den Teilbereichen der allgemeinen Literaturwissenschaft, die sich der Erforschung von erzählenden und dramatischen Texten widmen – der Narratologie und der Dramen- bzw. Theatertheorie – soll die Netzwerkarbeit dazu beitragen, die systematische Erschließung der dritten Großgattung der Literatur stärker in den Fokus der Literaturwissenschaft zu rücken.

In insgesamt sechs Arbeitstreffen werden über einen Zeitraum von drei Jahren (10/2016 bis 09/2019) zentrale Arbeitsgebiete einer solchen Lyrikologie abgesteckt:

1. Typische Merkmale der Lyrik

2. Funktionen der Lyrik

3. Lyrische Zeitkonzepte

4. mündliche/ schriftliche Formatierung von Lyrik

5. Methoden der Lyrikanalyse

6. Lyrik und Raum

Die zehn Mitglieder und zwölf Gäste des Netzwerks entstammen verschiedenen Philologien (Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, Germanistik, Linguistik, Literarisches Schreiben, Philosophie, Romanistik). Die Organisationsform Netzwerk ermöglicht es, die Forschungsinteressen dieser verschiedenen Fächer zusammenzuführen, zu koordinieren und für die allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft fruchtbar zu machen. Gefördert wird das Netzwerk von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die einzelnen Arbeitstreffen finden in Freiburg (Schweiz), Jena und Wuppertal statt. Initiiert wurde das Netzwerk von Claudia Hillebrandt (Jena), Sonja Klimek, Ralph Müller (beide Freiburg) und Rüdiger Zymner (Wuppertal). Das Netzwerk kooperiert mit dem International Network for the Study of Lyric (www.lyricology.org), dem von Rudolf Brandmayer geleiteten Projekt „Lyriktheorie“ an der Universität Duisburg-Essen (https://www.uni-due.de/lyriktheorie/) und dem von Henrieke Stahl an der Universität Trier geleiteten DFG-Projekt „Typologie des Subjekts in der russischen Gegenwartsdichtung 1990-2010“ (https://www.uni-trier.de/index.php?id=57615).

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Netzwerks.

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Interdisziplinäre Tagung „Topografische Leerstellen – Ästhetisierungen verschwindender und verschwundener Dörfer und Landschaften in Literaturen, Filmen und Künsten“, Halle (08.-10.12.2016)

Interdisziplinäre Tagung „Topografische Leerstellen – Ästhetisierungen verschwindender und verschwundener Dörfer und Landschaften in Literaturen, Filmen und Künsten“ | Steintor-Campus, Hörsaal V, Ludwig-Wucherer-Straße 2, 06108 Halle

Datum der Veranstaltung: 8.-10. Dezember 2016 | Anmeldefrist: (T)T. Monat JJJJ

Donnerstag, 8.12.

15.30
Willkommen und Einführung
Martin Ehrler / Marc Weiland (Halle)

16.00
Karl H. Schneider (Hannover):
Historische Leerstellen. Anmerkungen zum Thema aus historischer Perspektive

16.20 Diskussion

16.40 kleine Pause

17.00
Marcus Twellmann (Konstanz):
Von Auburn nach Verna: Sterbende und blühende Dörfer in der anglo-amerikanischen Literatur des 18. Jahrhunderts

17.20
Daniel Natorp (Würzburg):
„… sie werden sich einfach aufhalten wollen an einem Ort, an dem sie die Welt hinter sich haben und voraus nichts mehr als Leere.“ – W. G. Sebalds Die Ringe des Saturn und die Semantiken der Peripherie

17.40 Diskussion

18.00
Henrik Wehmeier (Hamburg):
Das filmische Off als markierte Leerstelle. Audiovisuelle Inszenierungsstrategien einer anwesenden Abwesenheit anhand des Filmes Nachthelle (D 2015)

18.20
Oliver-Pierre Rudolph (Halle):
Verschwundene Dörfer und Landschaften im Film. Ein Überblick und ein Versuch der Typologisierung anhand von ausgewählten Beispielen

18.40 Diskussion

21.00
Land am Wasser
Filmvorführung und anschl. Gespräch mit Produzent Thomas Jeschner und der Soziologin Claudia Neu (Göttingen)
Puschkino, Kardinal-Albrecht-Str. 6

Freitag, 9.12.

10.00
Sabine Gruber (Tübingen):
„Dieses Dorf schwand von der Erde hinweg, ohne daß man zu sagen weiß, wie?“ Verschwundene Dörfer und das Unheimliche

10.20
Julia Kölling (Konstanz):
Zwischen Stasis und Dispersion. Herta Müllers Dorfwelten am Rande des Verschwindens

10.40 Diskussion

11.00
Solveig Nitzke (Wien):
Zurück zur Natur – Erfindung und Verschwinden der „Waldheimat“

11.20
Peter Braun (Jena):
Imaginationen des Verlorenen im Werk von Gary Snyder

11.40 Diskussion

12.00 Mittagspause

13.40
Anne Kersten (Offenbach):
Gestern. Heute. Morgen. Landwirtschaft in der Gegenwartskunst

14.00
Lutz Hengst (Berlin):
Armutszeugnisse für die Erinnerungskultur! Strategien ästhetisch-poetischer Inwertsetzung peripheren Kulturerbes in der Kunst nach 1970

14.20 Diskussion

14.40
Janwillem Dubil (Kiel):
Die komische Dimension der verschwindenden Siedlung im franko-begischen Comic

15.00
Ömer Alkin (Düsseldorf):
Die visuelle Konstruktion des Dorfverschwindens in Yavuz Turguls Eskiya (1996)

15.20 Diskussion

15.40 kleine Pause

16.00
Philipp Nordmeyer (Hannover):
Schaufenster. Wie Filmaufnahmen den dörflichen Kontext formen

16.20
Dirk Thomaschke (Oldenburg):
„Geschichte ins Dorf schreiben“ – Strukturwandel, Dorfgemeinschaft und Raum in Ortschroniken und Heimatbüchern der Bundesrepublik Deutschland

16.40 Diskussion

17.00
Maria Frölich-Kulik (Weimar):
Netzraumtopografie – Ärchitektonische Leerstellen im Landschaftsgeschehen

17.20
Dorothea Hokema (Berlin):
„Landschaft“ verschwindet – was bleibt?

17.40 Diskussion

18.00 kleine Pause

18.30
Olaf Kühne (Tübingen):
Landschaftsästhetik – Landschaftsentwicklung. Historische Aspekte und aktuelle Herausforderungen

Samstag, 10.12.

9.00
Magalie Nieradka-Steiner (Heidelberg)
Das entschwundene Land. Topografien bei Astrid Lindgren

9.20
Rina Schmeller (Berlin):
Verlusterfahrung und erzählerische Erinnerungsarbeit in Gerhard Meiers Ballade vom Schneien

9.40 Diskussion

10.00
Daniel Neumann (Berlin):
Der Mann mit der DV-Kamera. Wang Bing filmt zerfallende Lebenswelten

10.20
Sophie-Charlotte Opitz (Frankfurt/Main):
Wogen der Flut. Visualität und Materialität chronotopischer Transformationen und ihre erinnerungskulturelle Aufarbeitung in künstlerischer Kriegsfotografie

10.40 Diskussion

11.00 kleine Pause

11.20
Mario Huber (Graz):
„Hat Charakter das Dorf, ich meine, trotz des ganzen Verfalls.“ – Die Wende als Verwandlung in Patrick Hofmanns Roman Die letzte Sau

11.40
Michael Ostheimer (Chemnitz):
Vom utopischen zum memorialen Chronotopos. Verschwundene Dörfer in der DDR- und Post-DDR-Literatur

12.00 Diskussion

12.20 Abschlussdiskussion
Werner Nell (Halle):
Verschwinden und Erscheinen. Zwei Weisen der imaginären Rekonstruktion des Dörflichen in Literatur und Film

Weitere Infos unter: www.dorfatlas.uni-halle.de

gefördert von der Volkswagenstiftung

via H-Germanistik

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Stellenausschreibung: Forschungsstelle im Rahmen eines DFG-Forschungsprojektes (65% nach Personalmittelsatz der DFG), Universität Augsburg (Bewerbungsschluss: 20.12.2016)

Im Rahmen des DFG-geförderten Forschungsprojektes „Modernisierungsprozesse und transnationale Netzwerkbildung im Medium der Kulturzeitschrift: vom Modernismo zur Avantgarde“ ist an der Professur für Romanische Literaturwissenschaft (Iberoromania) der Universität Augsburg eine Stelle für die Dauer von insgesamt 3 Jahren zu besetzen.

BewerberInnen sollten folgende Voraussetzungen erfüllen:

  1. Hochschulabschluss im Bereich der Romanistik, Hispanistik, Lateinamerikanistik oder Komparatistik
  2. Erste Erfahrungen bzw. Vorarbeiten mit spanischsprachigen Kulturzeitschriften, insbesondere aus dem Zeitraum von 1880-1930 (Spanien und/ oder Lateinamerika)
  3. Möglichst Erfahrungen und Kompetenzen im Bereich der Netzwerkanalyse und –visualisierung, insbesondere sind Vorkenntnisse mit einschlägiger Software wie Gephi, Visone, Ucinet o.ä. erwünscht
  4. Sehr gute Sprachkompetenzen im Spanischen, mindestens Lektürekompetenzen

Bitte schicken Sie übliche Bewerbungsunterlagen (CV mit Abschlusszeugnissen sowie eine kurze Darstellung ihrer Kompetenzbereiche und Vorerfahrungen) bis zum 20.12.2016 an:
hanno.ehrlicher@philhist.uni-augsburg.de

via romanistik.de

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CfP für zwei Sektionen auf dem XXXV. Romanistentag des DRV: „Dynamik, Begegnung, Migration“, Zürich (15.12.2016)

Call for Papers für die Sektion „(Ibero-)Romanisch-Germanische ZwischenWelten. Exilliteratur als Zeugnis und Motor einer vernetzten Welt“ auf dem Romanistentag | Zürich

Deadline Abstract: 15. Dezember 2016
Datum der Veranstaltung: 8.-12. Oktober 2017

Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts kamen zahlreiche deutschsprachige Emigranten und Exilanten aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen nach Lateinamerika – vor allem nach Brasilien, Argentinien, Chile und Mexiko – und fanden dort Zuflucht vor Krieg und Vertreibung oder der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Im Rahmen dieser Migrationsströme kamen auch viele Intellektuelle sowie Künstlerinnen und Künstler nach Lateinamerika, die sich dortigen Intellektuellenkreisen anschlossen, neue Zirkel gründeten oder auch als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Aufnahmeland tätig waren. Dadurch haben sie nicht nur das Geistesleben und die Wissenschaft vor Ort beeinflusst, sondern wurden auch in besonderer Weise von dortigen Ideen und Infrastrukturen geprägt und haben wiederum auf ihre Herkunftsländer zurückgewirkt. Sie fungierten in indirekter oder auch direkter Weise als Mittlerinnen und Mittler zwischen den Kontinenten, etwa durch die Übersetzung lateinamerikanischer Werke ins Deutsche oder europäischer Literatur ins Spanische oder Portugiesische, den Vertrieb lateinamerikanischer Literatur in Europa und umgekehrt oder Briefwechsel mit Intellektuellen, Freunden oder der Familie in Europa.

Diese Emigranten und Exilanten, die zudem oft über Drittstaaten (vor allem über Frankreich, aber auch über Spanien, Portugal, Italien) nach Lateinamerika kamen, sind in doppelter Hinsicht als ZwischenWeltenSchreiber im Sinne Ottmar Ettes (2005) zu verstehen: Zum einen repräsentieren sie durch ihre Lebensgeschichte die Idee einer dynamischen, vernetzten Welt, eines dynamischen, vernetzten Denkens, so dass ihre Werke als Orte verstanden und betrachtet werden können, an denen sich Dynamik, Begegnung und Migration manifestieren. Zum anderen haben sie häufig ihre eigene Situation reflektiert und – geprägt durch die Erfahrungen von Migration und Exil und die damit einhergehende Begegnung oder auch Konfrontation mit verschiedenen Welten und Kulturen – dynamische, rhizomatische (Deleuze/Guattari 1997) oder vektorielle (Ette 2012) Konzepte von Identität, Raum und Wissen entwickelt oder neue Formen der Medialisierung oder Ästhetisierung geschaffen, um diesen neuen Erlebnissen Ausdruck zu verleihen.

Die Werke dieser Autorinnen und Autoren können dadurch weder im Rahmen der territorialen (nationalstaatlichen) Grenzen des Ortes, an dem sie verfasst wurden, begriffen und analysiert werden, noch sind sie einer wissenschaftlichen Teildisziplin zuordenbar, da sie sowohl romanistische und germanistische, als auch geschichtliche und kulturwissenschaftliche Themen umfassen.

Vor diesem Hintergrund sollen im Rahmen dieser Sektion deutschsprachige Intellektuelle, Künstlerinnen/Künstler und Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftler in den Blick genommen werden, die in ein romanisches Land (vorrangig Lateinamerika und die hispanische Karibik) emigriert sind oder über eine gewisse Zeit in einem romanischen Kontext gelebt haben. Mögliche Schwerpunkte sind:

Archivbestände deutschsprachiger Exilanten und Migranten im (ibero-)romanischen Raum (Korrespondenzen, Manuskripte, Skizzen, sonstige Archivalien) im Sinne globaler Archive nach Marcel Lepper (2014; 2012)

  1. Literatur- oder sprachwissenschaftliche Beiträge zu Werken deutschsprachiger Emigranten oder Exilanten in der (Ibero-)Romania
  2. Kulturwissenschaftliche Beiträge zu Exil und Migration deutschsprachiger Intellektueller, Künstlerinnen/Künstler, Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftler in der/die (Ibero-)Romania
  3. Theoretische Beiträge zu globaler Literatur, Weltliteratur (Borsò 2004) oder Literaturen der Welt bzw. viellogischen Philologien (Ette 2016; 2013; Müller 2014)
  4. Vernetzte, dynamische Konzeptionen von Identität, Wissen und Raum – z.B. im Sinne multidirektionaler (Rothberg 2009) oder rhizomatischer (Deleuze/Guattari 1997) Identitäten und Wissensformationen, einer TransArea (Ette 2012), einer Kontaktzone (Pratt 1991) oder auch einer transatlantischen Wissenschaft, wie sie Lützeler (2013) für die Germanistik beschreibt
  5. (Ibero-)Romanisch-Germanischer Wissenstransfer: Verflechtungen, Transfer oder Adaptionen von Ideen, Konzepten, Ordnungsschemata, Wissensformationen
  6. (Ibero-)Romanisch-germanischer Wissenschaftsaustausch, Einfluss der deutschsprachigen Emigranten und Exilanten auf wissenschaftliche und kulturelle Institutionen im Aufnahmeland und ihre Rückwirkung auf das Herkunftsland
  7. Ästhetisierungen, mediale Ausgestaltungen der Exil- und Migrationserfahrung zwischen Lateinamerika und Europa

Bibliographische Angaben

Borsò, Vittoria (2004): „Europäische Literaturen versus Weltliteratur – Zur Zukunft von Nationalliteratur“, in: Jahrbuch der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, 233-250, http://dup.oa.hhu.de/93/1/Borso.pdf (22/05/2016).
Deleuze, Gilles/Guattari, Félix (1997): Capitalisme et schizophrénie 2: Mille plateaux, Paris: Éd. de Minuit.
Ette, Ottmar (2016): „Toward a Polylogical Philology of the Literatures of the World“, in: Modern Language Quarterly, volume 77, number 2, 143-173.
Ette, Ottmar (2013): Viellogische Philologie: die Literaturen der Welt und das Beispiel einer transarealen peruanischen Literatur, Berlin: Tranvía–Frey.
Ette, Ottmar (2012): TransArea: eine literarische Globalisierungsgeschichte, Berlin: de Gruyter.
Ette, Ottmar (2005): ZwischenWeltenSchreiben: Literaturen ohne festen Wohnsitz, Berlin: Kadmos.
Lepper, Marcel (2014): „Against Cultural Nationalism: Reply to Zachary Leader”, in: Critical Inquiry 41, Autumn (2014), 153-159.
Lepper, Marcel (2012): „Global Archives“, http://www.global-archives.de/ueber-das-projekt/.
Lützeler, Paul Michael (2013): Transatlantische Germanistik. Kontakt, Transfer, Dialogik, Berlin: de Gruyter.
Müller, Gesine (Hg.): Verlag Macht Weltliteratur: lateinamerikanisch-deutsche Kulturtransfers zwischen internationalem Literaturbetrieb und Übersetzungspolitik, Berlin: Ed. Tranvía, Verl. Frey.
Pratt, Mary Louise (1991): „Arts of the Contact Zone“, in: Profession 91, 33-40.
Rothberg, Michael (2009): „Introduction: Theorizing Multidirectional Memory in a Transnational Age“, in: Ders.: Multidirectional Memory: Remembering the Holocaus in the Age of Decolonization, Stanford: University Press, 1-32.

Bitte schicken Sie Ihren Beitragsvorschlag mit einem Abstract (max. 400 Wörter) und einem kurzen CV bis zum 15. Dezember 2016 an: lydia.schmuck@dla-marbach.de

via romanistik.de


Call for Papers für die Sektion „Begegnung, Kreativität und Gewalt zwischen Montmartre, Montparnasse und den Banlieues. Zur Verortung der Avantgarde(n)“ auf dem Romanistentag | Zürich

Deadline Abstract: 15. Dezember 2016
Datum der Veranstaltung: 8.-12. Oktober 2017

Nord-Süd, Zentrum-Peripherie, voraus-zurück, vertikal-horizontal, oben-unten – Avantgarden verorten sich und ihre Praxis im Raum. Nicht umsonst erscheint Pierre Reverdys einschlägige Revue littéraire (1917–1918) unter dem Titel Nord-Sud. Dieser verweist auf zwei foyers de créativité – Montmarte und Montparnasse –, die seit 1910 durch die Metrolinie A miteinander verbunden sind. Das von den beiden Bergen bis zu 30 Meter unter die Erde hinab führende hochmoderne Transportmedium beschleunigt den Dialog zwischen zwei heterotopen Räumen der europäischen Avantgardebewegung. Im engen Nebeneinander von billigen Etablissements, Ateliers und Cafés, umgeben von Abbruchhäusern, ereignet sich eine neue Kunstproduktion. Mit Picasso, Modigliani, Giacometti, Apollinaire, Reverdy, Cocteau etc. begegnen sich nicht nur Künstler verschiedener sozialer und nationaler Herkunft, sondern mit ihnen auch diverse Kunstformen wie Malerei, Literatur, Bildhauerei und Photographie. Diese Begegnungen im Schmelztiegel Paris stehen jedoch auch im Zeichen von Konkurrenzdruck und individuellem Machtstreben. Signifikant ist, dass alle Akteure dabei auf unwirtlichem und gefährlichem Terrain operieren, das zugleich Bedingung und Ausdruck ihrer ästhetischen Einschreibepraxis ist. Der statisch äußerst unsichere Grund des Montmartre mit seinen verfallenen Gebäuden und „Sozialbrachen“, wäre daher als „terrain vague“ (Wolfram Nitsch) zu bezeichnen: als anarchistischer und hochgradig dynamischer Raum, dessen Beschaffenheit direkten Einfluss auf die künstlerische Praxis hat. Diese Instabilität sowie die hohe Dichte von Künstlern auf engstem Raum evozieren zahllose Neubesetzungen, Reformulierungen und Umprägungen des avantgardistischen Diskurses, die in ähnlicher Form auch auf dem Berg Montparnasse stattfinden.
Angesichts der Tatsache, dass sich die ehemaligen Keimzellen der historischen Avantgarden längst in touristische Großattraktionen verwandelt haben, möchte die Sektion jedoch auch die Frage stellen, ob mit den Banlieues und Cités nicht bereits neue Räume kreativer Energie im urbanen Großraum Paris entstanden sind, die nicht mehr per Métro sondern per RER zu erreichen sind. Dabei gälte es, das Bild der sozialen und kulturellen „Brennpunkte“ in seiner einseitigen negativen Semantisierung zu hinterfragen und stattdessen mit Künstlern wie den Hip-Hoppern der Saian Supa Crew, dem multimedialen Künstler Mohamed Bourouissa oder auch dem Schriftsteller und Drehbuchautoren Olivier Adam eine andere Perspektive auf die Banlieues als lieux der Kunst zu werfen. In den monotonen Betonlandschaften der zones urbaines sensibles begegnen sich, ähnlich wie im frühen 20. Jahrhundert in Montmartre und Montparnasse, Menschen mit Migrationshintergrund. Ihr explosives Miteinander entlädt sich nicht nur in brennenden Autos, sondern auch in Kunst, die zwischen Musik, (bewegtem) Bild und Text oszilliert. Es steht somit zur Disposition, ob und inwiefern sich der Begriff von der „Kunst der Zerstörung“, den Hanno Ehrlicher für die historischen Avantgarden geprägt hat, für die Banlieue-Kunst reaktualisieren lässt.
Die Sektion möchte sich dementsprechend auf die folgenden Fragen hin öffnen: Was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Stadtvierteln Montmartre / Montparnasse und den Randzonen der Banlieues? Wer begegnet sich wie in ihnen? Wie werden die Räume besetzt und in Texten, Filmen und Bildern modelliert? Wie prägt die jeweilige Topographie die Kunstproduktion? Lassen sich die Banlieues als Räume neuer Avantgarden auffassen?

Bibliographie
ASHOLT, Wolfgang (2000) Der Blick vom Wolkenkratzer. Avantgarde – Avantgardekritik – Avantgardeforschung, Amsterdam: rodopi.
DÜNNE, Jörg und MAHLER, Andreas (Hrsg.) (2015) Handbuch Literatur & Raum, Berlin: De Gruyter.
EHRLICHER, Hanno (2001) Die Kunst der Zerstörung. Gewaltphantasien und Manifestationspraktiken europäischer Avantgarden, Berlin: Akademie Verlag.
NITSCH, Wolfram „Terrain vague“ [http://www.terrainvague.de, aufgerufen am 30.5.2016].
STIGLEGGER, Marcus (Hrsg.) (2002) Kino der Extreme. Kulturanalytische Studien, St. Augustin: Gardez!

Sektionsleitung/Kontakt:
Dr. Martina Bengert (München) Martina.Bengert@romanistik.uni-muenchen.de
PD Dr. Lars Schneider (München) Lars.Schneider@romanistik.uni-muenchen.de

Bitte schicken Sie Ihren Themenvorschlag mit einem Abstract (max. 400 Wörter) sowie einem kurzen CV bis zum 15. Dezember 2016 per E-Mail an eine der oben genannten Adressen.

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Forschungsprojekt „The Normative Relations between Fiction, Imagination and Appreciation“, Fribourg (05.–06.12.2016)

Das an den Universitäten Fribourg und Göttingen durchgeführte Forschungsprojekt „The Normative Relations between Fiction, Imagination and Appreciation“ beginnt am 5. Dezember 2016 mit einer zweitätigen Veranstaltung in Fribourg:

Ort: Seminar Raum, CRI 2.133, Rue de Criblet 13, 2. Stockwerk, University of Fribourg
Datum: 5.-6. Dezember 2016

It is a commonplace that fictional texts invite and move us to imagine certain things concerning the characters and events described by the text. Reading ‘The Sound and the Fury’ prompts us to imagine various incidents in the history of the Compson family. It is equally undeniable that considerations about what fictional texts ask us to imagine are central to our aesthetic appreciation of them. We value Faulkner’s novel in part because it allows us to imagine these incidents from the very complex, diverse and subjective points of view of the three Compson brothers.

What these two truisms about the relationship between fiction, imagination and appreciation have in common is that they describe normative relations. Imagining is the appropriate basic response to fictional texts. If we fail to imagine in accordance with the text’s prescriptions to imagine, we fail to properly engage with it. Similarly, appreciation is the appropriate response to the power of fictional texts to captivate our imagination in rich and rewarding ways. Much of the aesthetic worth of fictional texts resides in the fact that they make specific fictional worlds accessible to our imagination. Hence, the aesthetic evaluation of fictional texts requires us to take into account what they ask us to imagine, and how they do this.

The aim of the research project is to investigate the nature of these two normative relations between fiction, imagination and appreciation, which may be characterized in the following way:

  • (NR1) Fictional texts direct us to imagine certain things.
  • (NR2) That fictional texts direct us to imagine certain things bears on whether we should aesthetically (dis)value them.

With respect to each fictional text, there are specific instances of (NR1) and (NR2) which tell us what to imagine when reading the text, and also how to aesthetically assess it in light of what it asks us to imagine. Although important aspects of (NR1) and (NR2) have already been discussed in the literature, many others have not. Thus there has so far been no systematic investigation of the normative role of imagining and its normative connections to fiction and appreciation – something that this research projects aims to remedy.

The neglected issues that we intend to address can be divided into factual, normative and foundational questions. The first subproject inquires into how specific instances of (NR1) and (NR2) are actually established in the practice of interpretation in literary studies, while the second subproject elucidates particular instances of (NR1) and (NR2) that should (or should not) guide our interpretation. The third subproject aims to identify the source of the normativity of the justified instances of (NR1) and (NR2). Together the three subprojects aim at providing a comprehensive account of the general normative relations between fiction, imagination and appreciation.

The research project will commence its work with an inaugural meeting to be held at the University of Fribourg on 5th and 6th of December, 2016. It is part of the tripartite Aesthetics Research Group “The Aesthetic Mind”:

Project 1: Aesthetic Rationalism – The Normativity of Aesthetic Judgements

Project 2: The Normative Relations between Fiction, Imagination and Appreciation

Project 3: Learning from Literary Narratives

Location of inaugural meeting:
Seminar Room, CRI 2.133, Rue de Criblet 13, 2nd floor, University of Fribourg

Schedule:

Monday, 5th

10:00 – 12:00 Fabian Dorsch (Fribourg): Overview & Project 1

12:00 – 13:30 Lunch

13:30 – 15:00 Fabian Dorsch & Patrik Engisch (Fribourg): Project 2 (Philosophy)

15:00 – 15:30 Coffee Break

15:30 – 17:00 Tobias Klauk & Tilmann Köppe (Göttingen): Project 2 (Literary Studies)

17:00 – 18:30 Tom Kindt & Niels Klenner (Fribourg): Project 2 (Literary Studies)

from 19:00 Drinks & Dinner

Tuesday, 6th

10:00 – 12:00 Julia Langkau (Fribourg): Project 3

12:00 – 13:30 Lunch

13:30 – 15:30 Greg Currie & Peter Lamarque (York): Truth and Literature

15:30 – 16:00 Coffee Break

16:00 – 18:00 Walk / Discussion (depending on the weather, energy, …)

from 19:00 Drinks & Dinner

Everyone is welcome to attend, and attendance is free. But since space is limited, registration is mandatory.

For further information, please visit: http://blog.unifr.ch/aesthetics/

For all enquiries, please contact Fabian Dorsch (fabian.dorsch@unifr.ch)

via H-Germanistik

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Tagung „Kriegstheater. Darstellungen von Krieg, Kampf und Schlacht in Drama und Theater seit der Antike“, Berlin (08.-10.12.2016)

wallensteins-lager

Kriegstheater. Darstellungen von Krieg, Kampf und Schlacht in Drama und Theater seit der Antike

Ort: ZfL, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, 3. Et., Trajekte-Tagungsraum

Datum der Veranstaltung: 8.-10. Dezember 2016

Organisiert von Michael Auer (LMU) und Claude Haas (ZfL)
Kooperationsveranstaltung zwischen der LMU München und dem ZfL Berlin

In der frühen Neuzeit wird das europäische Kriegsgeschehen prominent in der Metaphorik des Theaters (theatrum belli) imaginiert. Diese verspricht einen klar reglementierten Ablauf, eine Übersicht und nicht zuletzt eine geordnete Darstellbarkeit von Kampf und Schlacht. Angesichts der überbordenden Theater-Semantik des Barock scheint das verständlich, mit Blick auf die Präsenz des Kriegs in der theatralen und in der dramatischen Tradition selbst muss der Befund indes überraschen.

Denn das Theater tut sich schon aus technischen Gründen ausgesprochen schwer, den Krieg unvermittelt auf die Bühne zu bringen. In der Regel stellt es Kampf und Schlacht über die Formen der Mauerschau oder des Botenberichts dar, so dass der Krieg seiner Sichtbarkeit zumindest seitens der Zuschauer hier prinzipiell entzogen bleibt. Die Tagung fragt nach dem Wechselspiel und nach dem Spannungsverhältnis zwischen der Metapher des Kriegstheaters in militärischen Diskursen und der theatralen und dramatischen Repräsentation des Kriegs im historischen Prozess. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt dabei auf dem 17., 18. und frühen 19. Jahrhundert, da die Vorstellung des theatrum belli in dieser Zeit aufkeimt, da sie spätestens mit den Massenheeren und der geographischen Ausweitung der Schlachten seit den Kriegen der Französischen Revolution aber auch bereits obsolet wird. Zu untersuchen bleibt, ob die traditionelle Beschränktheit der dramatischen Kriegssicht dort eine neue Attraktivität gewinnt, wo sie sich mit der tendenziellen Unüberschaubarkeit der historischen Kriegsschauplätze trifft. Darüber hinaus versucht die Tagung zu klären, inwiefern mediale Techniken wie die Mauerschau und der Botenbericht reine Notbehelfe oder Verlegenheitslösungen bilden, oder sie umgekehrt einer eigenen Kriegsästhetik zuarbeiten, die auf nicht-literarische Formen der Kriegsimagination zurückzuwirken vermag. Dies gilt auch für die wirkungsästhetischen, affektpoetischen und politischen Korrelate der beiden Techniken.

Mehr Informationen und Programm auf der Tagungswebsite des ZfL

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Open Data auf e-rara.ch und e-manuscripta.ch

[Dr. Christine Bärtsch aus der Bibliothek der ETH Zürich postete heute in der Mailingliste Inetbib diese Informationen, die wir mit ihrer freundlichen Erlaubnis hier wiedergeben.]

Die beiden Plattformen e-rara.ch und e-manuscripta.ch öffnen den Weg für Open Data: Neu wird bei den digitalisierten Dokumenten, wo immer möglich, die Public Domain Mark 1.0 oder CC BY-SA 4.0 Lizenz verwendet.

Die an den Plattformen beteiligten Bibliotheken unterstützen mit Open Data den offenen Zugang zu Informationen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie die interessierte Öffentlichkeit profitieren somit von einem unkomplizierten Zugang zu historischen Materialien. Wo möglich wird die Public Domain Mark 1.0 vergeben, womit diese Dokumente für wissenschaftliche, private, nicht kommerzielle und kommerzielle Zwecke frei verwendet werden dürfen.

Digitalisate, die mit der Creative Commons BY-SA 4.0 Lizenz versehen sind, dürfen ebenfalls für wissenschaftliche, private, nicht kommerzielle und kommerzielle Zwecke verwendet werden. Zusätzlich müssen der Herkunftsnachweis angegeben und die gleiche Lizenz bei Veränderungen weitergegeben werden.

Ein relativ kleiner Teil des Bestands auf e-manuscripta.ch ist mit eingeschränkten Nutzungsrechten versehen. Unter Angabe des Herkunftsnachweises ist die wissenschaftliche, private und nicht kommerzielle Nutzung gestattet. Für die kommerzielle Nutzung muss die Einwilligung des Rechteinhabers eingeholt werden.

Wie bis anhin können die Dokumente von den Plattformen in Bildschirmqualität heruntergeladen werden. Die kostenpflichtige Bestellung hochauflösender TIFF-Dateien bei den besitzenden Bibliotheken ist weiterhin möglich.

e-rara.ch und e-manuscripta.ch sind kooperativ betriebene Plattformen von Schweizer Bibliotheken. e-rara.ch beinhaltet rund 50’000 alte Drucke, illustrierte Materialien, Karten, Musikdrucke und Zeitschriften. e-manuscripta.ch umfasst ca. 48’000 handschriftliche Quellen aller Art aus Bibliotheken und Archiven.

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Potsdamer Arbeitstreffen zur digitalen Literaturwissenschaft: „Digitale Methoden und die Literatur des späten 19. Jahrhunderts“, Potsdam (02.12.2016)

Potsdamer Arbeitstreffen zur digitalen Literaturwissenschaft: „Digitale Methoden und die Literatur des späten 19. Jahrhunderts“ | Villa Quandt / Theodor-Fontane-Archiv, Große Weinmeisterstr. 46, Potsdam

Datum der Veranstaltung: 2. Dezember 2016, 9.30 Uhr

 

Das Treffen bringt mehrere Projekte aus dem Feld der digitalen Literaturwissenschaft zusammen, die schwerpunktmäßig zur Literatur des späten 19. Jahrhunderts forschen oder Grundfragen der digitalen Literaturanalyse, insbesondere der Analyse von Erzähltexten, bearbeiten. Der gemeinsame literarhistorische Fokus soll es dabei ermöglichen, sich nicht nur über Fragen der Methodik auszutauschen, sondern etwa auch über bestehende (und zu wünschende) Korpora der Literatur des späten 19. Jahrhunderts oder über mögliche Verknüpfungen der literarhistorischen Ergebnisse aus den einzelnen Projekten.

Programm

9.30-10.00 Uhr
Hanna Delf von Wolzogen (Potsdam)
Grußwort
Peer Trilcke (Potsdam)
Einführung

10.00-11.00 Uhr
Fotis Jannidis (Würzburg)
Erzählen in der Zeitschrift »Die Grenzboten«

11.00-12.00 Uhr
Thomas Weitin & Katharina Herget (Darmstadt)
Der Deutsche Novellenschatz

14.00-15.00 Uhr
Evelyn Gius (Hamburg)
Digitales close reading. Annotation als Analyse und Interpretation literarischer Texte

15.00-16.00 Uhr
Keli Du & Katja Mellmann (Göttingen)
Sentimentanalyse in literaturkritischem Schrifttum

16.30-17.30 Uhr
Berenike Herrmann & Markus Paluch (Göttingen)
Q-LIMO. Quantitative Analyse von Erzähltexten der Klassischen Moderne – und darüber hinaus

17.30-18.30 Uhr
F. Fischer, M. Göbel, D. Kampkaspar, C. Kittel & P. Trilcke | für die dlina-Arbeitsgruppe (Moskau & Potsdam u.a.)
Dynamische Netzwerke literarischer Texte

Die Veranstaltung ist öffentlich, Interessierte sind herzlich willkommen. Um eine informelle Anmeldung per Mail an Peer Trilcke (trilcke@uni-potsdam.de) wird gebeten.

Kontakt
JProf. Dr. Peer Trilcke
Juniorprofessur für deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts m.d.S. Theodor Fontane

Universität Potsdam
Institut für Germanistik
Am Neuen Palais 10
Haus 5, Raum 0.15
14469 Potsdam

Mail: trilcke@uni-potsdam.de
Uni-Tel.: 0331 977-4219
Website: http://www.uni-potsdam.de/lit-19-jhd/ 

 

 

via H-Germanistik

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Tagung „Das Haus schreiben. Wissensbewegungen in der ökonomischen Literatur der Frühen Neuzeit (1300‐1700)“, Berlin (01.-02.12.2016)

„Das Haus schreiben. Wissensbewegungen in der ökonomischen Literatur der Frühen Neuzeit (1300‐1700)“ | Freie Universität Berlin, Villa des SFB „Episteme in Bewegung“, Sitzungsraum, Schwendenerstraße 8, 14195 Berlin-Dahlem

Datum der Veranstaltung: 1.-2. Dezember 2016 | Um Anmeldung wird gebeten.

Tagung des Sonderforschungsbereichs 980 “Episteme in Bewegung”, 01.-02.12.2016, konzipiert und organisiert von den Teilprojekten A06 “Alchemia poetica. Chemisches Wissen und Dichtung um 1600” und B05 “Theorie und Ästhetik elusiven Wissens in der Frühen Neuzeit”

Schriften zur Ökonomik definieren ein weitverbreitetes Genre frühneuzeitlicher Unterweisungsliteratur, deren Erfolg auf dem Versprechen basiert, ein Wissen zu vermitteln, das den Lesern die rechte Führung der Hauswirtschaft und der Familie ermöglicht. Bezugspunkt sämtlicher Diskurse ist dabei das Haus, an dessen Status als unverzichtbarem Ordnungsraum des irdischen Lebens die Schriften keinen Zweifel lassen. Das zugehörige ökonomische Wissen bezieht seine – dem Anspruch nach – kontinuierliche Geltung seinerseits aus genau jener Stabilität, die dem Haus als Institution des ordo zugeschrieben wird. Über Generationen hinweg, so will es ein in den Texten tradierter Topos, werden die ökonomischen Lehren innerhalb des Hauses, vom Vater an den Sohn, weitergegeben.
Nicht zuletzt aufgrund dieser selbstgegebenen Stabilitätsanmutung wurde die frühneuzeitliche Ökonomie‐Literatur in der Forschung bisher häufig als etwas rezipiert, das sich von der Antike bis in die Frühe Neuzeit in seinen Grundzügen nur wenig verändert habe. Bei stärkerer Beachtung der textuellen Faktur ergibt sich jedoch ein differenzierteres Bild: In den oberflächlich stabil wirkenden ökonomischen Wissensbeständen kommt es durchaus zu Veränderungen und Verschiebungen, und zwar auch dann, wenn die Tradition scheinbar nur bestätigend aufgegriffen wird. Als entsprechend vielschichtig und wandelbar erweist sich vor diesem Hintergrund das Verhältnis der Ökonomie‐Literatur zu verschiedenen Wissenstraditionen: Nicht nur wird das einer christlich‐aristotelischen oeconomia‐Tradition entstammende Wissen in den Texten iteriert und in der Iteration – qua nicht‐identische Wiederholung, die im und durch den Akt des Wiederholens immer schon, auch unintendiert, Neues hervorbringt – transformiert. Hinzu kommt, dass auch Bestände eines frühneuzeitlichen Erfahrungs‐ und Handlungswissens integriert werden, dessen Status im Spannungsfeld der bereits aristotelischen Opposition von episteme und phronesis Aushandlungsprozessen unterliegt, die sich auch in den Texten selbst spiegeln.
Die Tagung geht von der Grundannahme aus, dass die Frage nach dem Status und der Funktion ökonomischen Wissens der Frühen Neuzeit von jener nach den Verfahren seiner Diskursivierung nicht zu trennen ist. So bestehen schon zwischen den beiden typischen Präsentationsweisen der oeconomia im theoretischen Diskurs, der Traktat‐ und der Dialogform, signifikante Unterschiede. Auch rücken Aspekte der Diskursivierung dort in den Vordergrund, wo ökonomisches Wissen außerhalb des theoretischen Diskurses, also etwa in Komödien, Romanen oder satirischen Texten, verhandelt wird.
Da das ökonomische Wissen der Frühen Neuzeit sowohl in raum‐zeitlichen Transfers – von der Antike bis zur Frühen Neuzeit sowie zwischen verschiedenen Kulturräumen –, als auch beim Wechsel von Medien und Diskursen in Bewegung kommt, ist die Tagung interdisziplinär angelegt: Sie versucht literatur‐ und wissensgeschichtliche Perspektiven zusammenzuführen, um den diskursiven, medialen und materiellen sowie sozialen, politischen, religiösen, regionalen und genderspezifischen Bedingtheiten des Transfers angemessen Rechnung zu tragen. Anhand der Analyse exemplarischer Texte aus den Ländern der Romania, Englands und dem deutschsprachigen Raum zielt die Tagung zum einen auf eine Präzisierung der verschiedenen Arten von Wissen, die in den ökonomischen Schriften verhandelt werden (Handlungs‐ und Erfahrungswissen/experientia, Kenntnis der auctores/doctrina u.a.), zum anderen auf die Untersuchung unterschiedlicher Formen von Wissenstransfer, die sich – unter Rückbindung an die jeweiligen lebensweltlichen Gegebenheiten – in den Diskursivierungsstrategien der Texte ausmachen lassen.

Programm

Donnerstag, 01.12.2016

09.15-09.45
Eröffnung

09.45-10.30
Rüdiger Schnell (Basel): Concordia im Haus – Vielfalt der Diskurse (1300-1700)

Kaffeepause

11.00-11.45
Claudia Opitz Belakhal (Basel): Vom oikos zum ménage. Antikenrezeption und -revision in Jean Bodins Six Livres de la République (1576)

11.45-12.30
Simon Zeisberg (Berlin): „Aber ich bekenne es rund vnd gut/ das ich diß alles nit weiß“. Ökonomisches (Nicht-)Wissen und Satire in J.B. Schupps Von der Kunst Reich zuwerden (1656)

Mittagspause

14.30-15.15
Michael Lorber (Berlin): Johann Joachim Bechers Entwurf von ‚Zucht‐‘, ‚Kunst‐‘ und ‚Werckhaus‘ – Kameralistische Hofökonomie als Biopolitik

15.15-16.00
Monika Mommertz (Freiburg): Transformation durch Transfer? Ambivalenzen und epistemologische Produktivität nicht gelehrter Wissensweisen in den new sciences des 17. und 18. Jahrhunderts

Kaffeepause

16.30-17.15
Doris Ruhe (Greifswald): Die Gesetze des Marktes nutzen. Weibliche Ökonomie in den Fabliaux

Freitag, 02.12.2016

09.15-10.00
Margarete Zimmermann (Berlin): Von monastischen und weltlichen ‚Häusern‘: Denkformen des ‚Hauses‘ im Werk der Christine de Pizan

10.00-10.45
Christina Schaefer (Berlin): Zur Inszenierung weiblicher prudentia in Paolo Caggios ‚theatraler Ökonomik‘ Flamminia prudente (1551)

Kaffeepause

11.15-12.00
Anne Enderwitz (Berlin): Eigentum in der Krise: Eifersucht und Oikonomia auf der frühneuzeitlichen Bühne

12.00 -12.45
Verena Lobsien (Berlin): Der Haushalt des Helden. Textuelle Ökonomien in Shakespeares Drama Coriolanus

Mittagspause

14.45-15.30
Daniel Fulda (Halle): Wenn alles bleiben soll, wie es ist, muß sich alles ändern. Generationenbeziehungen und ökonomisches Wissen in der Komödie

15.30-16.15
Anita Traninger (Berlin): Herr und Knecht: Inszenierungen des Verhältnisses zur Dienerschaft bei Lando, Montaigne, Alfieri und Larra

Kaffeepause

16.30-17.15
Tobias Bulang (Heidelberg): Apodiktische Setzung und narrative Pervertierung. Die Lehre vom Haushalten in Wittenwilers Ring

17.15-17.45
Resümee/Schlussdiskussion

Der Besuch der Veranstaltung ist kostenfrei. Um Anmeldung wird gebeten.

Kontakt:
Dr. Christina Schaefer, christina.schaefer[at]fu-berlin.de
Simon Zeisberg, simon.zeisberg[at]fu-berlin.de

via romanistik.de

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Workshop „Öffentlichkeit – Veröffentlichen – Öffentlichkeit herstellen“, Siegen (01.–02.12.2016)

Workshop „Öffentlichkeit – Veröffentlichen – Öffentlichkeit herstellen“ | Artur-Woll-Haus, Universität Siegen

Datum der Veranstaltung: 1.-2. Dezember 2016

Universität Siegen

Sonderforschungsbereich 1187: „Medien der Kooperation“

B01: Literarische Öffentlichkeiten im deutschsprachigen 18. Jahrhundert

Öffentlichkeit – Veröffentlichen – Öffentlichkeit herstellen

Interdisziplinärer Workshop

1./2. Dezember 2016

Artur-Woll-Haus

Der Workshop thematisiert die Theoriegeschichte von Öffentlichkeit und erprobt Momente eines Neuansatzes, der die Frage der Öffentlichkeit von einer ihrer basalen Operationen her reformuliert: von der Veröffentlichung und den sie konstituierenden Semantiken und Praktiken. Ist die Theoriegeschichte der Öffentlichkeit von Haus aus eng mit der Forschung zur Literaturgeschichte seit dem 18. Jahrhundert verknüpft, so würde eine auf diese Weise perspektivierte Begriffs- und Praxisgeschichte die für literarische Öffentlichkeit konstitutiven Infrastrukturen ins Zentrum des Interesses rücken.

Der Siegener Workshop soll mit entsprechend versuchsweisen Fallstudien und Lektüren die literatur- und kultur-, medien- und sozialwissenschaftliche interdisziplinäre Erforschung von Öffentlichkeit sowohl historisch als auch theoretisch voranbringen.

Programm

Donnerstag, 1. Dezember 2016

9:30-10:00
Gesa Frömming/Georg Stanitzek: Einleitung

10:00-11:00
Susanne Lüdemann: Publizität und Erscheinungsraum bei Hannah Arendt

11:30-12:30
Oliver Schmidtke: Vom Strukturwandel der Öffentlichkeit zum Strukturwandel der Privatheit – Das Internet und seine Folgen für die Sozialtheorien von Habermas und Rössler

14:15-15:15
Nadja Reinhard: Öffentlichkeit – Veröffentlichen am Beispiel der „Belustigungen des Verstandes und Witzes“

15:15-16:15
Gesa Frömming: „Mögen sie doch reden. Was kümmerts mich?“ Anonymität und Öffentlichkeit im späten 18. Jahrhundert

16:45-17:45
May Mergenthaler: Die Veröffentlichung des Nichtöffentlichen: Über die Publizierbarkeit lyrischer Sprache bei Goethe, Hölderlin und Günderode

Freitag, 2. Dezember 2016

9:30-10:30
Lisa Utsch: Entstehung einer Publikation: Renate Matthaeis „Trivialmythen“

10:30-11:30
Philipp Goll: Öffentlichkeit bewerkstelligen. Uwe Nettelbecks „Republik“

12:00-13:00
Anna Rick: Konzeption/Sensation. Wolfgang Herrndorfs „Arbeit und Struktur“

13:00-13:15
Abschlussgespräch, Verabredungen

DiskutantInnen: Moritz Ahrens, Natalie Binczek, Christopher Busch, Nacim Ghanbari, Ulrich Johannes Schneider, Carlos Spoerhase

Konzept und Organisation
Gesa Frömming, Georg Stanitzek

Veranstaltungsort
Artur-Woll-Haus der Universität Siegen
Am Eichenhang 50
57068 Siegen

Kontakt
Monika Traut: monika.traut@uni-siegen.de
Telefon: 0271/740-4712

http://www.mediacoop.uni-siegen.de/de/event/#oeffentlichkeit-veroeffentlichen-oeffentlichk…

via H-Germanistik

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