Ringvorlesungen im Wintersemester 2018/19, I

Mit dem Wintersemester beginnen turnusmäßig auch wieder zahlreiche Ringvorlesungen an den Universitäten im deutschsprachigen Raum, die sich auch an das interdisziplinär ausgerichtete Publikum der Komparatistik wenden. In den nächsten Wochen wollen wir Ihnen einen Überblick über die anstehenden Veranstaltungen geben. In diesem Blogpost geht es um zwei Ringvorlesungen der Humboldt Universität zu Berlin, die vom Institut für Kulturwissenschaft bzw. dem Institut für deutsche Literatur veranstaltet werden:

50 Jahre Theorie | Universitäts-Hauptgebäude – 2002 Unter den Linden 6

Datum der Veranstaltung: 22. Oktober 2018 bis 11. Februar 2019, jeweils montags von 18:00 bis 20:00 Uhr

Fünfzig Jahre, nachdem die Generation der Achtundsechziger sie vom Seminarraum auf die Straße brachte, befindet sich Theorie heute in einer Phase der Reflexion und der Selbstverständigung. Theorieeinsatz bildete lange Zeit den Indikator, mit dem sich die Avanciertheit kulturwissenschaftlicher Forschungsvorhaben, Disziplinen und Programme ausweisen ließ. Ob Frankfurter Schule, Systemtheorie, Dekonstruktion, Poststrukturalismus, postcolonial– oder gender theory – bei Theorie handelte es sich stets um den Bruch mit dem Common Sense, um die Überschreitung klassischer Repertoires von Gelehrsamkeit, um ihre Politisierung und um die Infragestellung ihrer Formen.

Als lingua franca oder auch: progressive Universalpoesie der Geisteswissenschaften seit den 1960er Jahren erlaubte es Theorie, heterogene Phänomene zueinander in Bezug zu setzen und heterogene Disziplinen miteinander ins Gespräch zu bringen. Daher betrachteten ihre Gegner Theorie umgekehrt als den Ausverkauf von philologischem Handwerk, akribischer Quellenkenntnis oder interpretatorischem Einfühlungsvermögen kurz: als die Absage an die besten Traditionen ihrer jeweiligen Fächer.

Diese Konstellation mitsamt ihrem festgefügten Lagerdenken existiert heute offensichtlich nicht mehr. Infolge einer geistesgeschichtlichen Zäsur, deren Ursachen vom Ende des Kalten Krieges über den Siegeszug der digitalen Medien bis zum Aufstieg des neuen Rechtspopulismus reichen, ist die Evidenz von Theoriearbeit inner- wie außerhalb der Universität fragwürdig geworden. Darauf reagiert auf der einen Seite die Historisierung der Theorie. Als „Theoriegeschichte“ formiert sich in den letzten Jahren ein neues Forschungsfeld, das der Entstehung, der Proliferation und den Wirkungen der Gattung Theorie nachgeht. Parallel zu diesem Unternehmen stellt sich in den Kulturwissenschaften auf der anderen Seite zugleich die Frage nach dem künftigen Theorieeinsatz.

Die Ringvorlesung am Institut für Kulturwissenschaft beabsichtigt, beide Perspektiven zusammenzuführen. Was war Theorie? Konstituiert sie tatsächlich ein diskursives Ereignis sui generis? Seit wann macht es Sinn, von Theorie (etwa im Gegensatz zu Philosophie) zu reden? Übernimmt sie das Pensum einer kritischen Philosophie? Und beraubt Historisierung Theorie notwendig ihres theoretischen Geltungsanspruchs, oder öffnet sie umgekehrt einen Zugang zu dessen Renovierung? Diesen und weiteren, verwandten Fragen wird die Ringvorlesung des Wintersemesters nachgehen. Historisierung, Theoretisierung und Zeitdiagnostik gehen dabei in jedem einzelnen Beitrag unterschiedliche Verbindungen ein.

Weitere Informationen: HU Berlin


 

Merlin in Bermuda-Shorts. Mittelalterliche Stoffe in Kinder- und Jugendliteratur | Universitätsgebäude am Hegelplatz – 1.101 Dorotheenstraße 24

Datum der Veranstaltung: 22. Oktober 2018 bis 11. Februar 2019, jeweils montags von 18:00 bis 20:00 Uhr

„Das Mittelalter“ ist ein in historischen wie aktuellen Kinder- und Jugendmedien ausgesprochen präsenter Erzählgegenstand. Ob in Rittergeschichten, Disney-Filmen, Serien über Artus, Merlin und die Tafelrunde, Fantasy oder historischen Romanen, mittelalterliche Themen und Stoffe üben eine ungebremste Faszinationskraft auf Kinder und Jugendliche aus. Darstellungen mittelalterlicher Lebenswelten können der Einführung in historische Zusammenhänge dienen, sie können das world-building eines Textes bestimmen oder über die Erzeugung von Alteritätseffekten die kritische Infragestellung oder Bestätigung der eigenen soziokulturellen Kontexte dienen. Als Projektionsfläche des Eigenen erscheint „das Mittelalter“ als das ganz andere, das dennoch mit der Gegenwart bedeutungsvoll verbunden bleibt.
Die Ringvorlesung will sich dem Phänomen „Mittelalter“ in Kinder- und Jugendmedien aus mediävistischer Perspektive nähern. Ausgehend von den mittelalterlichen Erzählstoffen sollen die Rezeptionen und Transformationen dieser Stoffe vor allem im 19. und 20. Jahrhundert diskutiert werden. Von Marvels „Thor“-Filmen über Mark Twain, J. K. Rowlings „Fantastic Beasts and Where to Find Them“ bis zu chinesischen Comics werden die Beitragenden unterschiedliche Rezeptionsphänomene vorstellen und beleuchten. Die Ringvorlesung schließt mit einer Lesung von Felicitas Hoppe aus „Iwein Löwenritter“.

Weitere Informationen: HU Berlin

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