CfP: „Konzeptualisierungen kleiner (europäischer) und nicht-westlicher Kulturen – Kanonische Konzepte, strukturelle Asymmetrien und Möglichkeiten des Vergleichs“ Dresden (30.11.2018)

Call for Papers für die Tagung Konzeptualisierungen kleiner (europäischer) und nicht-westlicher Kulturen – Kanonische Konzepte, strukturelle Asymmetrien und Möglichkeiten des Vergleichs | Technische Universität Dresden

Deadline Abstract: 30. November 2018
Datum der Veranstaltung: 10.-11. Oktober 2019

Organisation: Dr. Diana Hitzke

+++ English follows German +++

Die Beschäftigung mit Phänomenen aus kleinen Kulturen, die eine jeweils eigene Sprache, Geschichte, literarische Tradition und soziale Struktur besitzen, scheint ein Arbeitsgebiet für Spezialisten und Spezialistinnen zu sein, die sich ‚exotischen Themen‘ aus der Perspektive von ‚Orchideenfächern‘ widmen. Forschung, die hegemoniale Strukturen oder die Weltsprachen in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen rückt, die sich auf kanonische Texte und weit verbreitete Diskurse und Strukturen bezieht, wird oft als relevanter und wichtiger eingestuft. Dadurch werden hegemoniale Diskurse, die nicht selten von Eurozentrismus, methodischem Nationalismus (Wimmer/Glick Schiller 2002) sowie durch das monolinguale Paradigma (Yildiz 2012) beeinflusst sind, ständig reproduziert. Phänomene, die sich mehr als nur einem sprachlichen und kulturellen Kontext zurechnen lassen, werden aus dieser Perspektive heraus häufig als Rand- oder Grenzfälle beschrieben. Zugleich werden Beiträge aus kleineren oder nicht-westlichen Kulturen oftmals als reine ‚Fallstudien‘ rezipiert, die keinen Einfluss auf die Entwicklung der theoretischen Konzepte zu haben scheinen. Gleichzeitig ist es eine besondere Herausforderung für Forschende, sich theoretischen Konzeptualisierungen zu widmen, wenn sie sich mit Kulturen und Sprachen beschäftigen, die noch nicht sehr gut erforscht und oft nur unzureichend analysiert sind.

Jedoch ist es so, dass ein großer Teil der Menschheit in einer mehrsprachigen, transkulturellen Welt lebt – allein in Europa „gibt [es] […] über 300 europäische Minderheiten und jeder 7. Europäer gehört einer autochthonen Minderheit an oder spricht eine Regional- oder Minderheitensprache“ (FUEN 2017). Weltweit werden – unterschiedlichen Schätzungen zufolge – 5.000 bis 7.000 Sprachen gesprochen, verglichen damit können die sechs UN-Sprachen als marginal bezeichnet werden. Angesichts dieser Realität kann Forschung zu kleineren europäischen und nicht-westlichen Kulturen sowie zu translingualen Phänomenen nicht länger nur als moralischer Apell oder politischer Anspruch betrachtet werden. Sie ist eine international und interdisziplinär anzunehmende Herausforderung. Forschende aus allen Disziplinen sind eingeladen, über die Beziehung zwischen kanonischen Konzepten und nicht-westlichen oder kleineren europäischen Kulturen nachzudenken und über strukturelle Asymmetrien, Reziprozität und vielversprechende Möglichkeiten des Vergleichs zu reflektieren.

Vortragsvorschläge zu folgenden Fragen sind erwünscht:

  • Kanonische und spezifische Konzepte: Welche Vor- und Nachteile hat die Anwendung bewährter Methoden und kanonischer Konzepte auf andere kulturelle Kontexte? Was passiert, wenn Systematiken, Klassifikationen und wissenschaftliche Fragestellungen auf andere Kulturen übertragen werden? Wie lässt sich mit Phänomenen umgehen, die nicht mit den etablierten und dominanten Begriffen beschrieben werden können? Welche neuen vielversprechenden Möglichkeiten des Vergleichs bzw. der Partizipation in einem breiteren Diskurs bieten sich alternativ an?
  • Erfolgreicher Theorietransfer aus nicht-hegemonialen Kontexten: Welche Konzepte aus kleineren oder nicht-westlichen Kulturen (wie z.B. Edward Saids Orientalismus) haben sich zu kanonischen Konzepten entwickelt? Was lässt sich daraus lernen?
  • Versteckte intellektuelle Geschichte(n): Welche theoretischen Konzepte und welche Ansätze der Geistesgeschichte bleiben im Hintergrund oder werden nur langsam in der ‚westlichen’ Theorie rezipiert, auch wenn sie sich mit etablierten Konzepten überschneiden (wie zum Beispiel Fernando Ortiz’ ‚transculturación‘)?
  • Asymmetrien: Wie können Forschende asymmetrische Beziehungen angemessen adressieren und wie können sie ihre eigenen kulturellen Vorurteile reflektieren und kommunizieren? Wie lässt sich etwa thematisieren, dass es einen Unterschied macht, ob ein Text in einer kleinen, regionalen Sprache geschrieben wurde oder in einer Kultur, in der bestimmte Narrative und Genres erst entwickelt werden mussten?
  • Translingualität und Übersetzung: Wie kann spezialisierte Forschung mit Texten und Konstellationen kombiniert werden, die sprachlich, kulturell oder regional über das eigene Fachgebiet hinausgehen? Wie können Forschende mit der Notwendigkeit umgehen, dass einige Texte in Übersetzung und andere im Original gelesen werden?

Bitte schicken Sie Ihr Abstract (ca. 250 Wörter) und eine Kurzbiografie bis zum 30. November 2018 an diana.hitzke@tu-dresden.de.

Mit Keynote-Vorträgen von­:

Associate Prof. Dr. Jeanne E. Glesener (Université du Luxembourg, Institut de langue et de littératures luxembourgeoises)

Prof. Dr. Markus Koller (Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl für die Geschichte des Osmanischen Reiches und der Türkei)

Prof. Dr. Christian Prunitsch (Technische Universität Dresden, Professur für Polnische Landes- und Kulturstudien)

Prof. Dr. Katharina Stornig (Justus-Liebig-Universität Gießen, Juniorprofessur für Kulturgeschichte am International Graduate Centre for the Study of Culture)

Den Call for Papers für die Tagung Konzeptualisierungen kleiner (europäischer) und nicht-westlicher Kulturen können Sie hier herunterladen.

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Call for Papers for the conference Conceptualising Small (European) and Non-Western Cultures – Canonical Concepts, Structural Asymmetries and Promising Routes for Comparison

October 10th and 11th 2019, Technical University Dresden

Organisation: Dr. Diana Hitzke

To deal with phenomena from small cultures with a different language, history, literary tradition and social structure, seems to be the field for specialists or even nerds, who deal with ‘exotic subjects’ or luxuries. Research, which focusses on hegemonic countries or on ‘World languages’, on canonical texts or on widespread discourses and structures is often perceived as more relevant and more important. Thus, hegemonic discourses, which are often affected by eurocentrism, methodological nationalism (Wimmer/Glick Schiller 2002) or the monolingual paradigm (Yildiz 2012), are constantly reproduced. As a result, phenomena, which share more than one linguistic and cultural context, are often described merely as borderline cases. Contributions from small and non-western cultures are received as “case studies”, which seem to have no impact on theoretical concepts. At the same time, it is a special challenge for researchers to focus on theory, when they deal with cultures and languages, which are hardly explored and analysed to a sufficient degree.

However, a big part of the (world’s) society lives in a multilingual, cross-cultural world. As FUEN (2018) states: “There are more than 400 European minorities in Europe. One in seven Europeans is part of an autochthonous minority or speaks a regional or minority language.” According to different estimates 5.000 to 7.000 languages are spoken worldwide, compared to this the six UN languages seem to be quite marginal. In view of this reality, research on smaller european and non-western cultures as well as on translingual and cross-cultural phenomena, can no longer be regarded as a moral plea or a political demand. It is a challenge, which should be met in an international and interdisciplinary debate. The conference therefore invites scholars from all disciplines, to think and talk about the relationship between canonical concepts and non-western or smaller european cultures and to reflect on structural asymmetries, reciprocity and promising routes for comparison.

Topics for papers may include, but are not limited to the following questions:

  • Canonical and Specific Concepts: Which advantages and disadvantages result from applying proven methods and canonical concepts to very different cultural contexts? What happens when systematologies, classifications and scientific issues travel to other cultures? How to deal with phenomena, which can’t be described by the established and dominant terms? Which new promising ways for comparison and for participation in a wide discourse can be found alternatively?
  • Sucessfull Concepts from Non-Hegemonic Contexts: Which concepts did emerge from smaller or non-western cultures (as for example Edward Said’s orientalism) to become canonical concepts and what can we learn from their way to success?
  • Hidden Intellectual Histories: Which theoretical concepts and intellectual histories are more hidden or only slowly received in “Western” theory, although they share the main ideas with well-established concepts (for example Fernando Ortiz‘ ‚transculturación‘)?
  • Asymmetries: How can researchers adress questions of asymmetric relations appropriately and how can they handle and communicate their own cultural biases? How, for example, to adress that it makes a difference, if a literary text is written in a widespread and literary developed language as English or if it is written in a small, regional language or in a culture, where certain narratives and genres must be developed first?
  • Translinguality and Translation: How can specialized research be combined with texts and constellations, which do not fit into one’s own subject linguistically or by culture or region? How can researchers deal with the need to read some texts in translation and others in original language?

Please send your abstract (ca. 250 words) and a short bio to diana.hitzke@tu-dresden.de by November 30th, 2018.

Confirmed keynote speakers are:

Associate Prof. Dr. Jeanne E. Glesener (Associate Professor in Luxembourg Literature at University of Luxembourg)

Prof. Dr. Markus Koller (Chair in History of the Ottoman Empire and Modern Turkey at Ruhr-University Bochum)

Prof. Dr. Christian Prunitsch (Chair in Polish Regional and Cultural Studies at Technical University of Dresden)

Prof. Dr. Katharina Stornig (Junior Professor of Cultural History at the International Graduate Centre for the Study of Culture at Justus-Liebig-University Giessen)

Download the Call for Papers for the conference Conceptualising Small (European) and Non-Western Cultures here.

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