CfP: „Der Augenblick als ästhetische Kategorie“, Saarbrücken (15.08.2018)

Call for Papers für das Panel „Der Augenblick als ästhetische Kategorie“ | Saarbrücken

Deadline Abstract: 15. Augsut 2018 | Datum der Veranstaltung: 22.-25. September 2019


CfP: Der Augenblick als ästhetische Kategorie
26. Deutscher Germanistentag, Saarbrücken, 22-25.09.2019
Panel im Themenbereich 2: Repräsentation von Zeit
Organisation: Dr. Yvonne Al-Taie (Kiel), Dr. Stephanie Blum (Saarbrücken)

Der sprichwörtlich „fruchtbare Augenblick“ bietet seit Lessings Laokoon (1766) eine besondere Herausforderung an die Repräsentationsformen von Zeit in der Literatur und den Künsten. Im Spannungsfeld zwischen Zeitkontinuum und Zeitenthobenheit sind Augenblicke aufgrund ihres transitorischen Charakters von jeher von Interesse, sie gelten gegenüber dem regelmäßig Wiederkehrenden als reizvoller und werden kontrastiv zum Alltäglichen inszeniert. In Abgrenzung zum „Moment“ oder zur „Einmaligkeit“ wohnt ihnen das Besondere inne, das sich in der Verbindung mit Begriffen wie Freude oder Glück äußert. Aufgrund ihres ephemeren Charakters gehen Augenblicke in der Literatur häufig mit Gefühlsdarstellung einher; sie sind im Liebesdiskurs präsent, werden aber ebenso mit plötzlichen Ereignissen oder dem Unheimlichen verbunden.

Auch ist der Augenblick immer wieder Gegenstand philosophischer Reflexion – sei es bei Kierkegaard, wo er die Einheit von Zeitlichkeit und Ewigkeit verkörpert oder bei Paul Tillich, der im kairos den erfüllten geschichtlichen Augenblick vom chronos als dem Lauf der Zeit unterscheidet, sei es in der auf Husserl zurückgehenden phänomenologischen Tradition, in dessen Zeit-Modell der Augenblick zwar nicht singulärer erfüllter Moment ist, im unaufhaltsamen Prozess des Voranschreitens von Zeit jedoch eine bewegliche Scharnierstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft bildet. Bei Maurice Merleau-Ponty als „Präsenzfeld“ oder „Jetztpunkt“ bezeichnet, wird der Augenblick zum prekären Moment erlebter und sich doch stets entziehender Zeitlichkeit.

Während Berenson (1950) den „ästhetischen Augenblick“ rezeptionsästhetisch als mystisches Einswerden von Betrachter und Kunstwerk fasst, wollen wir nach den ästhetischen Möglichkeiten und Formen seiner Repräsentation in der Literatur und anderen Künsten fragen. Im Sinne einer „ästhetischen Eigenzeit“ als „exponierte und wahrnehmbare Form[ ] komplexer Zeitgestaltung, -modellierung und -reflexion“ (SPP Ästhetische Eigenzeiten, Gamper et. al.) soll der Augenblick als ästhetische Kategorie gefasst und beschrieben werden. Im Rahmen des Themenbereichs 2: Repräsentation von Zeit soll in diesem Panel diskutiert werden, wie der Augenblick als Erscheinungsweise von Zeit oder Zeitlichkeit in Literatur und verwandten Medien zur Darstellung kommt.

Willkommen sind Beiträge aus allen Teilbereichen der neueren und älteren deutschen Literaturwissenschaft sowie den Medienwissenschaften, die sich mit der ästhetischen Repräsentation oder Meta-Reflexion des Augenblicks beschäftigen. Denkbar sind Fragestellungen in folgende Richtungen: Welche narrativen Strategien kommen beim Erzählen von Augenblicken zur Anwendung? Wie lässt sich der Begriff des Augenblicks von verwandten narratologischen Kategorien wie dem Ereignis abgrenzen? Welche Funktion kommt seiner narrativen Gestaltung in einzelnen Genres zu? Wie kommen der Augenblick und das Augenblickhafte in der Dramenhandlung zur Darstellung; welche performativen Praktiken werden auf der Bühne wirksam? Welche Rolle spielt er in neueren performativen Formen? Gehen in der Lyrik beliebte motivische Bearbeitungen des Augenblicks mit besonderen formalen Gestaltungsweisen oder rhetorischen Figuren einher? Lassen sich epochenspezifische Schreibweisen des Augenblicks rekonstruieren?


Weitere Informationen: H-Germanistik

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