CfP: „Sprengstoff. Dynamit und seine Nachfolger in Literatur, Film und Popmusik als Motiv und ästhetisches Verfahren“, Münster (15.02.2018)

Call for Papers für die Tagung „Sprengstoff. Dynamit und seine Nachfolger in Literatur, Film und Popmusik als Motiv und ästhetisches Verfahren“ | Münster

Deadline Abstract: 15. Februar 2018 | Datum der Veranstaltung: 07.-08. Juni 2018

Die Erfindung des Dynamit 1866, inmitten der europäischen Industrialisierung, sollte einen Sprengstoff als industrielles Massenprodukt zugänglich machen, der das Kraftpotential bisheriger Sprengstoffe bei weitem überstieg. Wenige Jahre nach seiner Erfindung wurde das Dynamit nicht nur für den Bau der Eisenbahn und den Bergbau, sondern auch für hunderte Attentate des anarchistischen Milieus eingesetzt. Als Mittel zur Grenzüberwindung oder Grenzauslöschung wirkt Sprengstoff bereits als historisch ambiges Zeichen zwischen Gewalt und Destruktion sowie Fortschritt und Moderne.

Mit dem Prädikat der Moderne lässt sich auch eine Brücke zu Kunst und Ästhetik schlagen, wo Sprengstoff in verschiedensten Texten auftritt, die auf den ersten Blick keine gemeinsamen Merkmale aufweisen. Die Zusammenhänge von anarchistischem Milieu und terroristischer Gewalt werden in spätviktorianischer Populärliteratur, aber auch in Joseph Conrads The Secret Agent (1907) verarbeitet. Der Stoff wird zur Vorlage für Alfred Hitchcocks Film Sabotage (1936). Walter Benjamin spricht der Filmtechnik das „Dynamit der Zehntelsekunden“ zu (1936), Nietzsche behauptet in Ecce homo (1908): „Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit.“ Im Trickfilm und im Comic werden wieder andere Semantisierungen des Sprengstoffs sichtbar, seine Zerstörungskraft wird travestiert, die Figuren überleben unbeschadet. In der Popmusik findet sich Sprengstoff motivisch in Songtexten und Künstlernamen verarbeitet, dringt aber auch in den Bereich der Performance vor.

Bisher stellen Untersuchungen zum Sprengstoff, zu seinen literarischen sowie medialen Bearbeitungen und den Zusammenhängen und Entwicklungen der kulturellen Texte ein Desiderat der Forschung dar.

Die Tagung soll u.a. fragen:

  • Auf welche Weise und in welchen medialen Bearbeitungen hat Sprengstoff (seit der Erfindung des Dynamit) Eingang in die Kulturgeschichte gefunden? – in einen hochkulturellen Kanon, aber auch in die Populärkultur.
  • Was sind die möglichen Zeichen-Funktionen von Sprengstoff in den Erzählverfahren der verschiedenen Medien?
  • Sind medienspezifische Motivverwendungen des Sprengstoffs auszumachen?
  • Gibt es transmediale Motiv- und/oder Verfahrensentwicklungen bezogen auf den Sprengstoff?

Ziele der Tagung sind:

  • Exemplarische Untersuchungen zu Sprengstoff-Bearbeitungen u.a. aus den Bereichen Literatur, Film und Popmusik einander gegenüberzustellen.
  • Das Sprechen über Sprengstoff aus der Abhängigkeit der Diskurse (Terror etc.) zu lösen, in denen er seine Eigenständigkeit als Zeichen – und damit seine Ambiguität – weitgehend verliert.
  • Das Erarbeiten konzeptueller Entwürfe, welche die heterogenen Darstellungsweisen von Sprengstoff in kulturellen Texten ordnen und systematisieren.
  • Sprengstoff da zu entdecken, wo er nicht (nur) explizit bzw. als Motiv auftritt, sondern (möglicherweise) als ästhetisches Verfahren zum Ausdruck kommt.

Für die Tagung sind zehn Vorträge geplant, wobei sich die Vortragenden zur einen Hälfte aus Studierenden des Masters „Kulturpoetik der Literatur und Medien“ der WWU Münster, zur anderen aus etablierten Wissenschaftler*innen zusammensetzen werden.

Ausschreibung:

Bitte richten Sie Ihre Vorschläge für einen 30-minütigen Vortrag in Form eines Exposés an Jasper Stephan (j_step04@uni-muenster.de).

Die Bewerbung für einen Einzelvortrag sollte die folgenden Informationen enthalten:

  1. Titel und Sprache des Vortrags (Deutsch oder Englisch)
  2. Name, Anschrift und E-Mail des*der Vortragenden
  3. Exposé des Vortragsthemas (max. 400 Wörter)
  4. Kurzbiographie und biobibliographische Angaben des*der Vortragenden

Die Deadline für Bewerbungen ist der 15. Februar 2018.

Wenden Sie sich bei Interesse für weitere Informationen gern an j_step04@uni-muenster.de.

Organisation: Jasper Stephan, BA, gefördert durch das Rektorat der Westfälischen Wilhelms-Universität im Rahmen des Programms „Forschungsprojekte Studierender“.

via H-Germanistik

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