CfP: „Theater, Malerei und Fotografie – Zur Erprobung der Intermedialität (19.–21. Jahrhundert)“, Toulouse (15.02.2018)

Call for Papers für die Tagung „Theater, Malerei und Fotografie – Zur Erprobung der Intermedialität (19.–21. Jahrhundert)“ | Universität Toulouse 2-Jean Jaurès (UT2J)

Deadline Abstract: 15. Februar 2018 | Datum der Veranstaltung: 15.-17. November 2018

Wissenschaftliche Leitung: Dr. Hilda Inderwildi (CREG/EA 4151, UT2J), Prof. Dr. Emmanuel Béhague (EA 1341, Universität Strasbourg)

Wenn das gemalte oder das fotografierte Bild das Reelle evoziert, so flacht es dieses gleichzeitig ab und höhlt es aus, untergräbt es, indem es „die auf die Gegenwart irreduziblen Zeitverhältnisse fühlbar, sichtbar macht.“ Es ist Präsenz der Abwesenheit, fällt in den Bereich des Stillstands und scheint sich der Dichte und der Bewegung der Körper auf der Theaterbühne zu widersetzen, einer anderen Form von Raum und Zeitlichkeit zu entspringen. Diese Vorstellung, die auf dem vereinfachenden Prinzip des Gegensatzes von Stillstand und Bewegung beruht, trägt den komplexen wechselseitigen Beziehungen, welche Bühnenkünste und Bild seit jeher unterhalten, nicht Rechnung. So kann einerseits das Bild seine eigenen Grenzen überschreiten, indem es Bewegung suggeriert, es kann in verschiedenen Formen narrative Elemente integrieren; es kann den Anspruch erheben, selbst eine Art Bühne zu werden und damit das Theater in gewisser Weise zu sabotieren. Umgekehrt kann das Theater – wie dies insbesondere im sogenannten postdramatischen Theater der Fall ist – dem dramatischen oder szenischen Bild einer Situation den Vorzug geben vor der Aufeinanderfolge von – kausal verknüpften oder zusammenhanglosen – Ereignissen; es kann unter anderem auch die Bilder der Welt mit einer Legende versehen.

Gegenstand des Toulouser Symposiums ist die Untersuchung der Modalitäten, nach denen Malerei und Fotografie im Theater aus ihrem Rahmen fallen, die Art und Weise, wie sie sich in der Interaktion mit den anderen (verbalen oder nonverbalen) Systemen von Sinnesproduktion potenzialisieren und manchmal zu einer radikalen Mutation des Bühnenraumes führen. Theoretische Grundlage sollen interdisziplinäre Arbeiten zur Entgrenzung der Künste in den Bereichen der Theaterforschung, der Kunstgeschichte und der Soziologie sein. Methodologische Grundlage soll der intermediale Ansatz sein.

Im Bereich des Dramas wird das Konzept der Intermedialität insbesondere in Verbindung mit zwei historischen Wendepunkten erforscht: der erste ist durch die Entstehung der „hybriden“ Genres, wie Tanz- oder Musiktheater, markiert, der andere durch die Öffnung des Theaters für Medien wie das bewegte Bild, zum Beispiel das Video. Eine Untersuchung der Beziehungen zwischen Malerei und Fotografie einerseits und Theater andererseits – sei es im Konflikt- oder Affinitätsmodus – muss heute demnach darin bestehen, einen Beitrag zur Intermedialitätsforschung zu leisten, indem man gleichzeitig gegen die Vorrangstellung angeht, die in diesem Forschungsbereich derzeit den „Neuen Medien“ eingeräumt wird.

Die Beiträge sollen die Periode ab dem „iconic turn“ (zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Emergenz und der darauffolgenden Entwicklung der fotografischen und filmischen Mittel) bis hin zur Jetztzeit umfassen.

Schwerpunkte der Reflexion bilden folgende Fragestellungen:

  • Malerei und Fotografie als dramatische Elemente. In welchen Werken und bei welchen Autoren erscheinen Malerei und Fotografie? Welche Form und Funktion haben sie auf dramatischer und dramaturgischer Ebene? Wie lässt sich die Performativität der gemalten und fotografierten Bilder im Theater definieren?
  • Das Zitat des gemalten Bilds und der Fotografie als Elemente des szenischen Dispositivs. Wie interagiert das auf der Bühne zitierte Werk mit den Körpern, Stimmen, Tönen und Geräuschen, etc.? Welche Disposition zu den Dingen, eventuell „Dysposition“ der Dinge, produzieren beide Künste?
  • Malerei und Fotografie als Kompositionsmodus des Theaterwerks. Auf welche Weise können Malerei und Fotografie als Inspirationsquellen für die Form des dramatischen Werks oder der Bühnenproduktion fungieren?
  • Die „pluridisziplinaren“ oder „multitalentierten“ Künstler (z.B. Oskar Kokoschka, Jean Cocteau, Heiner Müller, Einar Schleef, Rainald Goetz…) und die herausragenden Beispiele künstlerischer Zusammenarbeit (Reinhardt/Corinth, Zadek/Minks, Castorf/Denić und Neumann…). Inwiefern nährt die bildliche oder fotografische Aktivität bei einem Künstler die des Dramaturgen oder Regisseurs?
  • Gewohnheiten und perzeptive Aspekte. Inwiefern bedingt die Integration eines Bildes in den theatralischen Zeit-Raum eine Rezeption, die den traditionellen Status des gemalten oder fotografierten Werkes verändert? Welche Konsequenzen hat es für den Theaterschaffenden und die Zuschauer/Betrachter, wenn der Bühnenraum zum Kunstausstellungsraum wird? Kann man eine Typologie und eine Periodisierung dieses Betrachtungsmodus erstellen?
  • Das Bild, Mainstream oder subversiv? Manchmal benutzt das Theater das Bild, um sich auf etwas künstliche Art mit neuem Leben zu füllen. Aber kann heute eine Entscheidung für Malerei und Fotografie nicht auch einem subversiven Willen entspringen? Welches Verhältnis besteht zwischen dem subversiven Charakter des Bildes und der Ästhetik der theatralischen Montage als intellektuelle Rekonstruierung der Darstellung? Welchen Effekt hat die Intolerabilität des Bildes auf die Rezeption des Theaters?
  • Die Fragen der Legitimität und der Dominanz der Künste: In der Ära des seit nach 1945 angekündigten und vorgeblich durch die Bilder vom Zusammensturz der Twin Towers 2001 signierten Endes der Malerei kann man sich mit Bezug auf die Studien von Uta Degner und Norbert Christian Wolf aus dem Jahre 2010 fragen, ob die Malerei heute nicht zu den „parasitären“ Künsten zählt, denen der Bühnenraum ein Territorium der Neueroberung und Wiedergeburt bietet. Nutzt das Theater seinerseits fotografische und filmische Bilder als Mittel, um dem Film Konkurrenz zu machen oder zumindest um sich zu erneuern?

Tagungssprachen sind Deutsch und Französisch. Wir bitten um Vorschläge für Beiträge (ca. 30 Minuten) in Form eines Abstracts (max. 1000 Zeichen) und einer Kurzvita bis zum 15. Februar 2018. Richten Sie Ihre Vortragsvorschäge bitte an Prof. Dr. Emmanuel Béhague und Dr. Hilda Inderwildi: emmanuel.behague@unistra.fr; hilda.inderwildi@univ-tlse2.fr

via H-Germanistik

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