CfP: „(T)RÄUME DER MIGRATION “, Regensburg (31.12.2017)

Call for Papers für die Tagung „(T)RÄUME DER MIGRATION “ | Universität Regensburg

Deadline Abstract: 31. Dezember 2017 | Datum der Veranstaltung: 26.-27. Juli 2018

Täglich lassen tausende von Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen ihre sprachliche, kulturelle, religiöse und soziale Heimat hinter sich und setzen ihr Leben und das ihrer Angehörigen aufs Spiel, um das vermeintliche Eldorado Europa zu erreichen. Doch auch wer die gefahrenvollen und strapaziösen Wege nach Europa überlebt, die Mauern der Festung Europa überwunden hat, findet sich nicht in dem ersehnten Eldorado (vgl. z.B. Laurent Gaudé, Eldorado, 2006): Ob auf Lampedusa oder in Übergangs-, und Auffanglagern wie bspw. in Calais (vgl. z.B. Marie-Françoise Colombani/Damien Roudeau, Bienvenue à Calais. Les raisons de la colère, 2016), die Situation in den völlig überfüllten Aufnahme-Lagern ist desolat und zutiefst menschenunwürdig.
Das Thema der Migration war im öffentlichen Bewusstsein wohl zu kaum einer Zeit so präsent wie heutzutage, und zu keiner Zeit waren die Motive für Migrationen mannigfaltiger (das Spektrum reicht hier von der Flucht aus religiösen oder politisch-ideologischen Gründen bis hin zum Wunsch nach einem Leben an Orten, an denen man gewöhnlich nur seinen Urlaub verbringt). Dies darf jedoch nicht den Blick darauf verstellen, dass die Menschheitsgeschichte vor allem eine Geschichte der sich immer wieder in Schüben vollziehenden globalen Migrationen des Menschen ist. Vor allem die Geschichte der Romania ist geprägt von zahlreichen Migrationsbewegungen, denen ganz unterschiedliche Beweggründe zugrunde liegen. Die Romania selbst ist nichts anderes als das Ergebnis von globalen Migrationsbewegungen, die sich in dem Maße vollzogen haben, wie das Imperium Romanum sich ausgebreitet hat und große kulturelle Räume (wie das Mediterraneum) nach seinem Modell geprägt hat. Im Laufe der Jahrhunderte lassen sich ganz unterschiedliche Motivationen für Migrationen in die oder aus der Romania ausmachen: kolonialistische Expansion, ökonomische Bestrebungen, religiöse Missionierung, Verschleppung und Zwangsmigration, Hoffnung auf ein glücklicheres Leben in politischer Freiheit sowie sozialer und materieller Absicherung etc.
Migration und Raum stehen in einem untrennbaren und unmittelbaren Zusammenhang zueinander: Migration kann daher nicht ohne die Ausdifferenzierung von Räumen und Orten gedacht werden. Bislang wird die Bedeutung des Raumes im Kontext von Migrationsprozessen vor allem in der Geographie (z.B. von dem Sozialgeographen Andreas Pott), Soziologie und Urbanistik diskutiert. Dabei stehen die unterschiedlichen Geographien der Migration, die Untersuchung soziologischer und geographischer Risiken und Chancen von Migration sowie Phänomene sozialer und ethnischer Segregation und Exklusion im Fokus der Untersuchungen. Die geplante Tagung möchte das Phänomen der Ausdifferenzierung von Räumen und Orten aus literatur- und kulturwissenschaftlicher Perspektive, und zwar im Bereich der romanischen Literaturen (von der Frühen Neuzeit bis ins 21. Jahrhundert) am Beispiel der Migration in die Romania oder aus der Romania in den Blick nehmen. Denn ebenso alt wie das kulturelle Phänomen der Migration sind das Schreiben und die (kritische) Reflektion darüber. Das Untersuchungskorpus soll dabei bewusst breit gehalten werden und unterschiedlichste (mediale) Formen umfassen: neben fiktional-narrativen Be- und Verarbeitungen des Themenfeldes in Belletristik und Film, sollen bewusst auch Reiseberichte, Tagebücher, Dokumentationen sowie aufklärende Ratgeber, Apps und/oder Homepages für Migranten und Flüchtlinge Berücksichtigung finden können.
Mehr als um eine Definition der nach wie vor unterdeterminierten Gattung der ‚Migrationsliteratur‘ soll es in der Tagung um eine konzeptionelle Annäherung an das literarische und kulturelle Phänomen der ‚Migrationsräume‘ gehen. Als Migrationsräume werden sowohl jene Räume verstanden, die im Prozess der Migration durchlaufen werden, als auch solche, die das ursprüngliche Ziel der Migration darstellen. Untersucht werden sollen speziell die Ausdifferenzierung und die Brechung der Träume und idealisierenden Vorstellungen, die mit den Migrationsräumen verbunden sind, an den Realitäten dieser Räume selbst. Damit steht das Verhältnis von Traum und Raum im Fokus der Betrachtung: Wie konstruieren Imaginationen die geographischen Migrationsräume? Dabei kann das Spektrum von Enttäuschung über Entsprechung bis hin zum Übertreffen der Erwartungen reichen. In diesem Kontext wird zu überprüfen sein, ob es Bewertungs- und mit diesen korrespondierende Beschreibungsstereotype der Zielländer gibt und wie diese gegebenenfalls modifiziert werden. Auch die literarisch vermittelte Dekonstruktion des Mythos vom Glück in der Ferne soll Gegenstand der Vorträge sein.
Im Fokus der Vorträge könnten demnach die folgenden Fragen stehen: Mit welchen Raumvorstellungen machen sich Migranten auf den Weg? Welche Räume werden ihnen in ihren Heimatländern medial angepriesen? Wie hat sich die Kommunikation über Migrationsräume vollzogen? Inwieweit klaffen Traum und Raum bzw. Realität auseinander? Aus welchen Räumen kommen Migranten, welche Räume passieren sie, welche Räume besiedeln sie dann tatsächlich (Transiträume, Existenzräume, Lebensräume, third space/in between, non-lieu etc.)? Wie sind spatiale Migrationsfiktionen und Migrationsnarreme gestaltet?

Bitte schicken Sie Ihren Vortragsvorschlag mit einem kurzen Abstract im Umfang von ca. 300-400 Wörtern zusammen mit einer kurzen Biobibliographie bis 31. Dezember 2017 an PD Dr. Marina O. Hertrampf (marina.hertrampf@sprachlit.uni-regensburg.de) und PD Dr. Beatrice Nickel (beatrice.nickel@gmx.de). Tagungssprachen sind Deutsch und Französisch. Die Tagungsakten sollen im Anschluss an die Tagung publiziert werden.

via romanistik.de (Hier finden Sie auch Literaturhinweise bezüglich des CfP)

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