CfP: „Postfaktisches Erzählen?“, Wuppertal (14.06.2017)

Call for Papers für die Konferenz „Postfaktisches Erzählen?“ | Bergische Universität Wuppertal, Zentrum für Erzählforschung

Deadline Abstract: 14. Juni 2017 | Datum der Veranstaltung: 06.-09. Februar 2018

Zentrum für Erzählforschung, Bergische Universität Wuppertal
6.-9. Februar 2018

In journalistischen Diskursen, den sozialen Medien und der Populärkultur ist derzeit häufig von einem ‚postfaktischen Zeitalter‘ die Rede. Zugleich wächst die Sehnsucht nach neuen, ebenso glaubhaften wie visionären Narrativen, die wesentliche Grundlagen unseres sozialen, kulturellen und politischen Miteinanders in einer als krisenhaft empfundenen Umbruchsituation neu erzählen und die sich, so die Hoffnung, gegen die Lügengeschichten der Populisten durchsetzen können. Dabei handelt es sich um ein transnationales Phänomen. Oxford Dictionaries wählte kürzlich den Begriff ‚Post-Truth‘ zum Wort des Jahres. Satiresendungen wie die US-amerikanische Daily Show schöpfen das komische Po­tenzial des ‚Postfaktischen‘ aus und inszenieren beispielsweise einen Trauergottesdienst für „Facts“, der die Verstorbenen ein letztes Mal feiert. Diese Satire verweist auf ein gravierendes Problem: Der strategische Einsatz bewusster Falschaussagen wird in manchen Kontexten nicht mehr prinzipiell abgelehnt – das Leugnen empirisch nachweisbarer Phänomene wie des Klimawandels erscheint ebenso unproblematisch wie das opportunistische, adressatenbezogene Ändern der eigenen Mei­nung, solange das Grundgerüst einer attraktiven und eingängigen Erzählung die jeweiligen Aussagen stützt. Vor diesem Hintergrund ist in jüngster Zeit eine öffentliche Debatte um die Bedeutung, die Funktion und den Nutzen des Konzepts des ‚postfaktischen Erzählens‘ selbst entstanden.

Ausgehend von der Prämisse, dass Erzählungen „beides, dem sozialen Wandel unterworfen und Me­dien seiner Gestaltung“ sind (Albrecht Koschorke), will die inter- und transdisziplinäre Konferenz „Postfakti­sches Erzählen?“ am Zentrum für Erzählforschung der Bergischen Universität einen grundlegenden Beitrag zu den aktuellen Diskussionen leisten. Unter Rückgriff auf Theorien, Erkenntnisse und Me­thoden der Erzählforschung soll das Verhältnis des ‚Post-Faktischen‘ zum Narrativen untersucht wer­den. Insbesondere wird eine Bestimmung der Kernbegriffe der Debatte angestrebt, darunter: ‚post­faktisch‘ und ‚post-truth‘, ‚fiktional‘ und ‚faktual‘, ‚Wirklichkeit‘ und ‚Wahrheit‘, ‘Ereignisse‘ und ‚Ge­schehen‘ sowie ‚Erzählungen‘, ‘Geschichten‘ und ‚Narrative‘. Ausgehend von der Analyse und Inter­pretation literarischer und nicht-literarischer Erzählungen sollen die Bedingungen untersucht wer­den, unter denen sich Narrative in verschiedenen historischen und kulturspezifischen Kontexten durchgesetzt haben und weiterhin durchsetzen.

Mögliche Themenfelder

  • kontextgebundene, korpusabhängige, gattungs-, kultur- oder epochenspezifische Verfahren der Einbettung von Fakten in Erzählungen oder umgekehrt von Erzählungen in fakten-basierte, domi­nant nicht-narrative Texte
  • literatur- und kulturhistorische Dimensionen des Verhältnisses von Faktizität und Erzählung
  • das Phänomen der ‚narrativen Konstitution‘ (d.h. das [Wechsel-]Verhältnis von Geschehen und Erzählung) aus systematischer Sicht
  • Analyse und Evaluierung poststrukturalistischer Theorien, die (oft ausgehend von der Analyse und Interpretation literarischer Erzähltexte, man denke an Linda Hutcheons Theorie der historiogra­phic metafiction) die objekt-referenzielle Kraft von Sprache und Erzählungen grundsätzlich in Fra­ge gestellt und einem radikalen Panfiktionalismus den Weg ebnen
  • die Konjunktur des Begriffs ‚postfaktisches Erzählen‘ in vielen wissenschaftlichen und gesellschaft­lichen Diskursen und die gleichzeitige Popularität neo-realistischen und (pseudo‑)dokumentari­schen bzw. dokufiktionalen Erzählens im zeitgenössischen Film, Drama und Roman
  • die Konjunktur des Begriffs ‚postfaktisches Erzählen‘ in vielen wissenschaftlichen und gesellschaft­lichen Diskursen und das gleichzeitige Begehren nach Faktenwissen in den neuen sozialen Medien
  • die Repräsentation, Konstruktion und Diskussion des Verhältnisses von Faktizität und Relevanz in literarischen und nicht-literarischen Erzähltexten

Keynote-Speaker: Liesbeth Korthals Altes (Groningen), Albrecht Koschorke (Konstanz), Claus Leggewie (Essen)

Die Konferenzsprache ist deutsch. Vorträge können auch auf Englisch gehalten werden. Eine Veröf­fentlichung ausgewählter, überarbeiteter Tagungsbeiträge ist geplant. Bitte senden Sie ein Exposé in deutscher oder englischer Sprache (ca. 1.500 Zeichen) sowie einen knappen Lebenslauf bis zum 14. Juni 2017 an zefpostfaktisch@uni-wuppertal.de.

via H-Germanistik

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