Stellenausschreibung: 3 Doktorandenstellen (E13 TV-L, 66%), Nachwuchsforschergruppe „Kreativität und Genie“ (Bewerbungsschluss: 31.05.2017)

Im Rahmen der Nachwuchsforschergruppe Kreativität und Genie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, gefördert durch das Elitenetzwerk Bayern, werden zum 1. Oktober 2017

3 Promotionsstellen (E13 TV-L, 66%)

ausgeschrieben. Bewerbungsschluss ist der 31. Mai 2017.

Bewerbungsvoraussetzungen sind ein guter MA-Abschluss in einem für das Projekt einschlägigen Studiengang, sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse sowie ein eigenständiges Dissertationsexposé mit deutlich erkennbarem Bezug zum Forschungsprogramm der Nachwuchsforschergruppe.
Kreativität ist ein Imperativ, der postindustrielle Gesellschaften aggressiv strukturiert. Medien, Unterhaltung, Design, Architektur, Beratung, Öffentlichkeitsarbeit und Forschung sind creative industries im engeren Sinne, Kreativität ist aber auch ein Leitbegriff von Selbstbeschreibungen in sozialen Netzwerken, Kontaktanzeigen oder Bewerbungen. Kulturtheoretische Konzeptionen von „ästhetischem Regime“, „Herrschaft des Ästhetischen“, „ästhetischem Kapitalismus“ oder „Kreativitätsdispositiv“ interpretieren die Universalisierung des Kreativitätsgedankens als Resultat der Ausweitung ästhetischer Praktiken und Präferenzen auf nichtästhetische Lebensbereiche. Diese Interpretation stellt die Geisteswissenschaften vor drei Herausforderungen: Zu klären, welche ästhetischen Praktiken gemeint sind, ihre Ausweitung historisch herzuleiten und Kreativität als Gegenstand theoretisch zu erschließen. Ausgangspunkt der Nachwuchsforschergruppe ist die Beobachtung, dass der Kreativitätsdiskurs im 20. Jahrhundert an rhetorische Strategien und poetische Verfahren der Genie-Ästhetik des 18. Jahrhunderts anschließt. Schöpferisches Potenzial weist in beiden Konzeptionen einen markanten Widerspruch auf: Es beschreibt einerseits einen Superlativ außergewöhnlicher, singulärer Individualität, andererseits eine allgemein verfügbare Ressource. Die Nachwuchsforschergruppe setzt erstmals die literaturwissenschaftliche Genie-Forschung und die interdisziplinäre Kreativitäts-Forschung in Bezug zueinander. Ihre Leitfrage lautet: Wie ist aus der Randfigur des Dichtergenies ein Leitbild geworden, das ganze Wirtschaftszweige prägt und einen verbindlichen Standard von privatem Self-Fashioning setzt? Antworten werden nicht in den wechselnden inhaltlichen Bestimmungen von Kreativität gesucht, sondern in den konstanten poetischen Strukturen, die das Sprechen über schöpferische Potenziale prägen, und in den gesellschaftlichen Funktionen dieses Sprechens.

Die Nachwuchsforschergruppe wird aus vier Teilprojekten bestehen, dem Habilitationsprojekt des Gruppenleiters und drei Promotionsprojekten. Dissertationsthemen können aus den folgenden Bereichen stammen, sind auf diese aber nicht begrenzt: Literatur- und Kulturgeschichte des Genies im 18. Jahrhundert, Vorgängermodelle in Antike oder früher Neuzeit, Fortschreibungen im 19. Jahrhundert und in den klassischen Avantgarden; die Schnittstellen von Genieästhetik und Gattungspoetik; das theologische Erbe des Genie-Konzepts und sein Verhältnis zu verwandten poetologischen Konzepten der Epoche (Autonomie, Imagination, Inspiration, ästhetische Erfahrung); die interdisziplinär wissensgeschichtliche Dimension des Kreativitätsdispositivs, Modelle kreativer Subjektivität in Psychologie und (Reform-)Pädagogik, in Wirtschafts- und Technikgeschichte oder in Philosophie und Sozialwissenschaften; die Kopplung von Kunstproduktion und künstlerischem Self-Fashioning, die historische Konkurrenz der Metaphern von (männlicher) Schöpfung und (weiblicher) Geburt, Adaptionen „westlicher“ Kreativitätskonzepte z.B. in Ostasien und die exotisierende Aneignung kreativer „östlicher“ Praktiken in Europa und Nordamerika ab den 1970er Jahren; die ökonomische Nutzbarmachung kreativer Potenziale oder das Verhältnis von Kunst und Arbeit, das in dieser Nutzbarmachung eine neue Form findet. Ermutigt werden möglichst eigenständige Promotionsprojekte, deren Forschungsinteressen mit der Grundfrage nach einer Poetik des schöpferischen Menschen kompatibel sind.

Die Nachwuchsforschergruppe kooperiert eng mit dem Internationalen Doktorandenkolleg MIMESIS der LMU München. Das IDK (http://www.mimesis-doc.uni-muenchen.de/index.html) bietet eine innovative Forschungsstruktur, um theoretische Perspektiven, historische Dynamiken und interdisziplinäre Schnittstellen der Literatur und der Künste zu untersuchen. Promovierende der NWG Kreativität und Genie werden beim IDK MIMESIS einen assoziierten Status erhalten. Publikationskosten, Kosten für Konferenzreisen und voraussichtlich auch die Kosten eines längeren Auslandsaufenthaltes können aus Mitteln der NWG übernommen werden. Die Stellen werden für 3 Jahre ausgeschrieben, eine Verlängerung ist in Absprache mit dem Elitenetzwerk Bayern möglich. Wohnort aller Projektmitarbeiter ist München. Erwartet wird die Teilnahme an Veranstaltungen des IDK und der Nachwuchsgruppe, Mitarbeit bei der Planung und Durchführung von Konferenzen und Workshops sowie beim Aufbau von internationalen Kooperationen.

Kontakt: Jan Niklas Howe (jnhowe@lmu.de).

Zur Bewerbung fassen Sie bitte die folgenden Unterlagen in einem PDF-Dokument zusammen:
– Kurzes Motivationsschreiben
– Ausführlicher tabellarischer Lebenslauf
– Angabe zweier Referenzen (Univ.-Dozenten, nicht notwendig Professoren, die auf Anfrage bereit wären, ein kurzes Gutachten zu
verfassen)
– Exposé des Dissertationsvorhabens, inkl. Arbeits- und Zeitplan zur Ausführung des Forschungsvorhabens (maximal 10 Seiten)
– Kopien der BA- und MA-Abschlusszeugnisse
– eine akademische Arbeitsprobe (z.B. Hausarbeit oder Ausschnitt aus einer Abschlussarbeit, maximal 25 Seiten)

via romanistik.de. Auf  H-Germanistik finden Sie auch eine englische Version der Stellenausschreibung.

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