CfP: „Opfernarrative in transnationalen Kontexten“, Innsbruck (30.05.2017)

Call for Papers für die Tagung „Opfernarrative in transnationalen Kontexten“| Universität Innsbruck

Deadline Abstract: 30. Mai 2017 | Einladungen: 30. Juni 2017
Datum der Veranstaltung: 25.-27. Januar 2018

Call for Papers
Internationale Tagung
Opfernarrative in transnationalen Kontexten

25.–27. Januar 2018 an der Universität Innsbruck

 

Wie kaum eine andere scheint die Figur des Opfers heutige Gesellschaften zu polarisieren. Der diskursiv erzeugte und juristisch fixierte Opferstatus ist für Individuen und Gruppen überaus erstrebenswert, da er moralische Überlegenheit verleiht und in Gesetzesform gegossene Rechte und Ansprüche garantiert. Das Opfer ist immer ‚der Gute‘, es steht auf der richtigen Seite der Geschichte und muss besonders behandelt werden. Dieses Begehren nach dem Opferstatus sowohl auf kollektiver als auch auf indivi­dueller Ebene kritisieren u.a. Esther Benbassa, Jean-Michel Chaumont, Peter Novick und zuletzt Daniele Giglioli. Der gegenwärtige ‚Opferkult‘ schütze das Opfer vor jeglicher Kritik und mache es geradezu un­angreifbar, es lege den Menschen auf die Objektposition fest und befreie ihn von der Pflicht zu Eigen­verantwortung. Opfer unnötig oder unmöglich macht. Nicht zuletzt werden Opfer, v.a. sol­che von Krieg und Gewalt im 20. und 21. Jahrhundert, immer nur im Zusammenhang mit den Tätern und selten als selbstständige Subjekte gedacht.

Nationale und regionale Geschichtsnarrative werden über die Figur des Opfers sowohl konstruiert als auch destabilisiert. Diese komplexen Prozesse lassen intranationale und transnationale Opfer­konkur­ren­zen ent­stehen und führen dazu, dass nationale Erinnerungs- und Gedächtniskulturen umgeschrieben werden.Die Neuordnung Europas nach 1989, die fortschreitende Globalisierung und neue Medientech­nologien, die es erlauben, Täter- und Opferbilder gleichsam in Sekundenschnelle zu generieren, fordern eine trans­natio­nale Perspektive auf Opfernarrative ein.

Ziel der Konferenz ist es, Konzeptualisierungen des ,Opfers‘, insbesondere in der kulturwissen­schaft­li­chen Gedächtnis- und Erinnerungsforschung, herauszuarbeiten und zu diskutieren sowie Möglichkeiten und For­men einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Opfersein/status in fiktionalen Texten (Prosa, Lyrik, Theater) aber auch in anderen Medien (Film, Fotografie etc.) zu erkunden und offenzulegen. Im Mittelpunkt sollen neuere Texte (seit ca. 1989) stehen – Texte, die verfestigte Opfernarrative in Frage stellen bzw. aus einer Vergeltungs- und Sühnelogik auszubrechen versuchen, ohne aber das Leid der Opfer zu negieren oder zu relativieren. Dezidiert sollen dabei transna­tionale und transkulturelle Aspekte diskutiert werden. Die Ta­gung richtet sich an Film-, Literatur- und Kul­tur­wissenschaftler_innen unter­schiedlicher Fachrichtungen, wie Anglist_innen und Amerikanist_in­nen, Germanist_innen, Romanis­t_innen, Slawist_innen u.a.

 

Mögliche Themen und Fragestellungen:

  • Neukonzeptualisierungen von Opfernarrativen: Was könnte an die Stelle von Opfernarrativen treten?
  • Opfernarrative in nationalen Gedächnisdiskursen und ihre Transformation durch transnationale und transkulturelle Perspektiven
  • Kritik an Selbstviktimisierung und subversive Potenziale der Selbstviktimisierung
  • Konkurrenz aber auch Solidarität unter den Opfergruppen und deren Folgen
  • Opfernarrative und Generationenerzählungen
  • Opfernarrative und Gender
  • Opfernarrative in postkolonialen Kontexten
  • Opfernarrative im Kontext von mémoires croisées, entangled history etc.
  • Kommerzialisierung der Erinnerungs- und Gedächtniskultur

 

Deadline für Abstracts im Umfang von 300–500 Wörtern (samt Kurzbiographie und Liste der Veröffent­li­chungen): 30.05.2017, per E-Mail an: slawistik-ag@uibk.ac.at oder sieglinde.klettenhammer@uibk.ac.at. Die Einladungen zur Konferenz erfolgen per E-Mail bis spätestens 30.06.2017. Reise- und Unterkunftskosten werden nach Möglichkeit übernom­men. Arbeitssprachen der Tagung sind Deutsch und Englisch.

 

Organisation:Forschungszentrum Kulturen in Kontakt der Philologisch-Kulturwissen­schaftli­chen Fakultät der Universität Innsbruck [http://www.uibk.ac.at/kik/]

via H-Germanistik

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