CfP für einen Sammelband mit dem Thema „Polytheismus der Einbildungskraft. Wechselspiele von Literatur und Religion von der Aufklärung bis zur Gegenwart“ (15.04.2017)

Call for Papers für einen Sammelband mit dem Thema „Polytheismus der Einbildungskraft. Wechselspiele von Literatur und Religion von der Aufklärung bis zur Gegenwart“

Deadline Abstract: 15. April 2017 | Deadline Beitrag: 01. Oktober 2017

SAMMELBAND

„Polytheismus der Einbildungskraft“. Wechselspiele von Literatur und Religion von der Aufklärung bis zur Gegenwart

Hg. Dr. Tomas Sommadossi (Freie Universität Berlin) – Kontakt: tomas.sommadossi@fu-berlin.de

 

Für die bei Königshausen & Neumann erscheinende Reihe Rezeptionskulturen in Literatur- und Mediengeschichte ist ein Band zum literarischen Diskurs über Religion geplant. Der Band ist methodisch, historisch wie thematisch breit und offen angelegt, um einen möglichst umfassenden Überblick in diachroner Perspektive über das Themenfeld in seiner geschichtlichen Entwicklung von der Aufklärung bis in die Gegenwart zu bieten. Erwünscht sind Beiträge, die die literarische Reflexion über religiöse Strukturen, Motive und Praktiken sowie Relationen, Verflechtungen und Überscheidungen der beiden Teilsysteme Religion und Literatur in den Blick nehmen und historisch wie systematisch umreißen. Epochen- bzw. themenübergreifende Studien sind genauso willkommen wie close readings und Studien zu einzelnen Autoren. Definitionsversuche, Begriffsbestimmungen sowie die Erörterung theoretischer Fragestellungen stellen ebenfalls Desiderate dar. Wenngleich die geplante Publikation einen germanistischen Schwerpunkt haben soll, können komparatistische Arbeiten ebenfalls berücksichtigt werden, sofern sie auch Autoren und Werke aus dem deutschsprachigen Kulturraum behandeln.

Die titelgebende Formel „Polytheismus der Einbildungskraft“ stammt aus dem gemeinsam von Hegel, Hölderlin und Schelling verfassten Ältesten Systemprogramm des deutschen Idealismus (1796). Nach Bernd Auerochs’ Deutung geht das Autorenkollektiv von dem sich in der Aufklärung mehr und mehr entfaltenden Bewusstsein aus, dass die »versinnlichende Darstellung von philosophischer Wahrheit sowohl ein Merkmal der Poesie als auch ein Merkmal der Religion« ist. Gegenüber dem „Monotheismus der Vernunft“ appelliert das Programm – in der Annahme einer funktionalen Äquivalenz von Religion und Kunst – an die Freiheit einer neuen Mythologie, durch die sich der Übergang von der Offenbarungs- zur Kunstreligion vollziehen soll. Die erhoffte mythisch-religiöse Aufladung der Kunst solle jene »Pluralität der Geschichten« als Resultat haben, die Odo Marquard für die spezifisch moderne Ausprägung „polytheistischen“ Denkens hält. Wie ähnlich auch Burkhardt Gladigow in Anlehnung an Reinhard Kosellek beobachtet: »Dieser Entwurf hat im „Zeitalter der Singularisierungen“ eine kompensierende Logik und markiert nach der Früh-Renaissance eine zweite Reklamation […] für Pluralität, Offenheit, Gewaltenteilung«, was offensichtlich weniger in die Wiederbelebung heidnischer Andachtspraktiken umschlug als vielmehr – und das ist entscheidend für die Entwicklung des religiösen Diskurses in der Moderne – in die »Individualisierung eines allgemeinen religiösen Gefühls«. Abstrahierend vom historischen Kontext seiner Ersterscheinung soll der Ausdruck „Polytheismus der Einbildungskraft“ gerade auf die Vermehrung künstlerischer Darstellungsmöglichkeiten des Göttlichen hinweisen, die mit der allmählichen Herabstufung der Religion zum privaten Akt und der Freisetzung von deren tradiertem Bild- und Gedankengut einhergeht. Die historischen Wurzeln dieses Prozesses gehen auf die Aufklärung zurück und reichen bis in die Gegenwart hinein, weshalb der geplante Band diesen ausgedehnteren Zeithorizont bedienen möchte. Beim kulturellen Zurücktreten der Religion als unhintergehbares Universalsystem kommt der Literatur die Möglichkeit zu, das Göttlich-Heilige in facettenreicher Gestalt zu veranschaulichen – aus dem „unus Deus“ ein Kaleidoskop aller möglichen Jenseitsvorstellungen zu machen. Diese Vielfalt der Zugänge zum Religiösen soll der Sammelband an exemplarischen Fallbeispielen hinterfragen.

 

Literaturnachweise:

Bernd Auerochs: Das Bedürfnis der Sinnlichkeit. Möglichkeiten funktionaler Äquivalenz von Religion und Poesie im 18. Jahrhundert. In: Kunstreligion. Ein ästhetisches Konzept der Moderne in seiner historischen Entfaltung, hg. von Albert Meier u. a. Bd. 1. Der Ursprung des Konzepts um 1800. Berlin u.a. 2011, 29-44 (38f).

Odo Marquard: Lob des Polytheismus. Über Monomythie und Polymythie. In ders.: Abschied vom Prinzipiellen. Philosophische Studien. Stuttgart 1981, 91-116 (103).

Burkhardt Gladigow: Polytheismus. In: Max Webers „Religionssystematik“, hg. von Hans K. Kippenberg und Martin Riesenbrodt. Tübingen 2001, 133-150 (134).

 

Eckdaten und Zeitplan der Publikation:

(Arbeits)Titel: „Polytheismus der Einbildungskraft“. Wechselspiele von Literatur und Religion von der Aufklärung bis zur Gegenwart

Herausgeber: Dr. Tomas Sommadossi (Freie Universität Berlin)

Verlag, Reihe: Königshausen & Neumann, Rezeptionskulturen in Literatur- und Mediengeschichte (hg. von Mathias Herweg, Stefan Keppler-Tasaki, Cordula Lemke und Claudia Wiener)

Anfragen und Themenvorschläge (Titel, Abstract und Kurzvita) sind bis zum 15.4.2017 zu richten an tomas.sommadossi@fu-berlin.de. Die Zusage erfolgt kurzfristig nach Einsendeschluss. Die fertiggestellten Beiträge sind bis zum 1.10.2017 (verbindlich!) erbeten.

 

Vielen Dank für Ihr Interesse!

via H-Germanistik

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