CfP für „Quaderna“ Nr. 4 mit dem Thema „‚Found in (Mis)Translation‘ : les impondérables de la (mé)traduction“ (01.06.2017)

Call for Papers für ein Themenheft der Zeitschrift Quaderna mit dem Thema « Found in (Mis)Translation » : les impondérables de la (mé)traduction, herausgegeben von Sylvie Le Moël und Dirk Weissmann

Deadline Abstract: 1. Juni 2017 | Vorauswahl durch Redaktion: 1. Juli 2017
Deadline Beitrag: 1. Januar 2017 | Peer-Review und Einrichtung der Beiträge: 1. Juni 2016

Please find directions to an English version at the bottom.

Die vierte Ausgabe der transdisziplinären und mehrsprachigen Pariser Zeitschrift Quaderna wird sich dem Thema „‚Found in (Mis)Translation‘: Die Unwägbarkeiten der (Fehl)Übersetzung“ widmen. Interessierte Wissenschaftler aus den Bereichen Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Philosophie, Geschichte, Linguistik usw. sind hiermit eingeladen, Vorschläge für dieses 2018 erscheinende Heft einzureichen. Die Beiträge sollten germanistische, romanistische, anglistische oder komparatistische Themen behandeln und können wahlweise auf Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch oder Italienisch verfasst werden.

Thematischer Rahmen
Folgt man seiner herkömmlichen Definition, wie sie z. B. in englischen Wörterbücher zu finden ist, so bezeichnet der Begriff „mistranslation“ zunächst eine falsche Übersetzung bzw. Fehlübersetzung. Auf der Grundlage der Idee einer Produktivität solcher Fehler hat ein Teil der aktuellen Übersetzungstheorie den Begriff jedoch erweitert und die strikte Grenzziehung zwischen „guter“ und „schlechter“ Übersetzung gelockert. Ansätze dieser Art interessieren sich u. a. für die Subjektivität des Übersetzers und sehen das Übersetzen als interpretativen oder gar kreativen Akt. Sie hinterfragen somit den binären Richtig-Falsch-Schematismus, der von der Vorsilbe „mis-“ impliziert wird. Darüber hinaus werden in diesem theoretischen Rahmen die (un)vorhersehbaren Effekte analysiert, die bestimmte „aktive“ Übersetzungen im Laufe der Geschichte entwickelt haben, wodurch deren performative Dimension betont wird. Denn können (Fehl)Übersetzungen im Einzelnen auch auf unterschiedliche Art beurteilt werden, sind ihre Auswirkungen auf historische, geistige und literarische Prozesse insgesamt oft erheblich. Beispiele hierfür sind die berühmte Emser Depesche, deren Übersetzung eine gewichtige Rolle beim Ausbruch des deutsch-französischen Krieges gespielt hat, sowie die schöpferische Dimension, die die „Fehlübersetzung“ in Borges’ Werk spielt, wo sie in den 1920 Jahren insbesondere der Grundlegung einer spezifisch argentinischen Literaturtradition dient. Auch die internationale Rezeption des von Kafka entlehnten Begriffs „littérature mineure“ könnte im Zusammenhang mit der hier zu untersuchenden Problematik erwähnt werden.

Mögliche Untersuchungsfelder
Innerhalb des somit abgesteckten Rahmens könnte die Problematik der „Mis-Translations“ unter anderem auf folgenden Feldern untersucht werden:

Literaturwissenschaft:

  • die Vieldeutigkeit des literarischen Textes und die Subjektivität des Übersetzers
  • Treue/Untreue: das Dilemma des Literaturübersetzers
  • die Rezeption von „Mistranslations“ und die Begründung von Interpretationsparadigmen

Ideengeschichte/Philosophie:

  • „Fehl-“Übersetzungen und Begriffsgeschichte
  • Wettstreit der Übersetzung in der Philosophie/Ideengeschichte
  • Kann man heilige Texte (fehl)übersetzen?

Geschichte/Landeskunde:

  • Performativität und gesellschaftliche Auswirkungen von Übersetzungen
  • Übersetzen als politische Handlung bzw. Manipulation
  • Fehlübersetzung und kriegerische Konflikte

Sprachwissenschaft/Didaktik:

  • Übersetzung und Kreativität
  • die Fehlerproblematik in der Übersetzungswissenschaft
  • die Definition von „mistranslation“ innerhalb verschiedener Textgattungen

Die Auswahl der Beiträge erfolgt in zwei Schritten. Zunächst sollen die geplanten Beiträge in Form einer Kurzzusammenfassung (ca. 300 Wörter) inklusive einer wissenschaftlichen Kurzbiographie eingesendet werden. Nach einer Vorauswahl der Vorschläge, wobei sowohl das wissenschaftliche Interesse der Vorschläge als auch die programmatische Ausrichtung der Zeitschrift zum Tragen kommen, werden die ausgewählten Beiträger dazu eingeladen, ihre Beiträge zum Peer-reviewing einzureichen.

Terminplan

  • bis zum 1.6.2017: Einreichung der Vorschläge in Form von Zusammenfassungen
  • bis zum 1.7.2017: Vorauswahl der Vorschläge durch die Redaktion der Zeitschrift
  • bis zum 1.1.2018: Einsendung der fertigen Beiträge (ca. 40000 Zeichen/6000 Wörter)
  • bis zum 1.6.2018: Peer-reviewing und Einrichtung der Beiträge

Vorschläge für Beiträge als Kurzzusammenfassung inklusive wissenschaftlicher Kurzbiographie sollten bis zum 1.6.2017 an folgende Mail-Adressen gesendet werden: sylvie.lemoel@u-pec.fr + weissmann@u-pec.fr.

Auswahlbibliographie

  • Emily Apter, The Translation Zone: A New Comparative Literature, Princeton, Princeton University Press, 2006.
  • Roger Baines, « The Journalist, the Translator, the Player and His Agent: Games of (Mis)Representation and (Mis)Translation in British Media Reports about Non-Anglophone Football Players », in : Rita Wilson/Brigid Maher (ed.), Words, Images, and Performances in Translation, London, Continuum, 2011, p. 100-118.
  • Brian James Baer, « Oppositional Effects: (Mis)Translating Empire in Modern Russian Literature », in: Dimitris Asimakoulas/Margaret Rogers (ed.), Translation and Opposition, Bristol, Multilingual Matters, 2011, p. 93-109.
  • Alan Bass, « On the History of a Mistranslation and the Psychoanalytic Movement », in: Joseph H. Graham (ed.), Difference in Translation, Ihtaca/London, Cornell University Press, 1985, p. 102-141.
  • Anna Brickhouse, The Unsettlement of America: Translation, Interpretation, and the Story of Don Luis de Velasco, 1560–1945, Oxford, Oxford University Press, 2014.
  • François Cusset, French Theory: Foucault, Derrida, Deleuze & Cie et les mutations de la vie intellectuelle aux États-Unis, Paris, La Découverte, 2003.
  • Jacques Derrida, Qu’est-ce qu’une traduction « relevante » ?, Paris, L’Herne, 2005.
  • Harald Kittel (ed.), Übersetzung, Translation, Traduction, Berlin/New York, De Gruyter, 2007
  • Gabriele Leupold/Katharina Raabe (ed.), In Ketten tanzen, Übersetzen als interpretierende Kunst, Göttingen, Wallstein, 2008.
  • Christine Lombez/Rotraut von Kulessa (ed.), De la traduction et des transferts culturels, Paris, L’Harmattan, 2007.
  • Peter Newmark, About Translation, Clevedon, Multilingual Matters, 1991.
  • Erich Prunč, Entwicklungslinien der Translationswissenschaft. Von den Asymmetrien der Sprachen zu den Asymmetrien der Macht, Berlin, Frank & Timme, 2007.
  • Mohammad Saleh Sanatifar, « Lost in political translation: (Mis)translation of an intertextual reference and its political consequences: the case of Iran », The Journal of Specialised Translation, 24 (2015), http://www.jostrans.org/issue24/art_sanatifar.php.
  • Christina Schäffner, « Political Discourse from the Point of View of Translation Studies », Journal of Language & Politics, 3 (2004), p. 117-150.
  • Sergio Waisman, Borges y la traducción, Buenos Aires, Adriana Hidalgo, 2005.

Klicken Sie hier, um den CfP herunterzuladen: CfP_Quaderna_4. Das Dokument enthält zudem eine französische, englische, spanische und italienische Fassung.

To download the CfP, klick here: CfP_Quaderna_4. The document contains French, English, Spanish and Italian versions of the CfP.

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