CfP: „Kulturen des Pathos“ (01.03.2017)

Call for Papers für „Kulturen des Pathos“

Deadline Abstract: 01. März 2017

Die kulturwissenschaftlich orientierte Philologie hat ihre Aufmerksamkeit seit den 1990er Jahren wieder verstärkt auf die Bedeutung von Emotionen verwendet.[1] In diesem Zuge hat auch die bis in die Antike zurückreichende Reflexion über Pathos wichtige Impulse erhalten.[2]

Gemeinhin verbindet man mit dieser Kategorie Hohes wie Hohles, „ekstatische[n] Überstieg“ wie auch „falsche[] Übertreibung“[3]. Diese Ambivalenz ist im Hinblick auf die Bedeutungsgeschichte rekonstruierbar. So ist die Auffassung von Pathos als „exaltiertem, in großen Gesten zur Schau getragenem Gefühl“ – wobei das Gefährdungspotential an jüngsten Entwicklungen wie dem medienwirksam geführten Wahlkampf eines Donald Trump fassbar wird – Resultat eines „historischen Bedeutungsverfall[s]“.[4]

Pathos, abgeleitet von paschein (erleiden), umfasst ursprünglich ein plötzlich eintretendes, schädliches Ereignis und den von ihm bewirkten emotionalen Schmerz. Dementsprechend hat Aristoteles pathos in seiner Poetik sowohl auf das Leiden des Helden als auch auf die zu reinigenden Affekte des Publikums bezogen.[5] In seiner Rhetorik hat er pathos neben ethos (Glaubwürdigkeit des Redners) und pragma (Glaubwürdigkeit der Argumente) als eines der drei Mittel bestimmt, die Rezipienten von einer Sache zu überzeugen. Pathos zielt darauf, „den Zuhörer in eine bestimmte Gefühlslage zu versetzen“[6], und bedient sich dabei Stilfiguren der Steigerung.

Die Karriere des Pathos schreibt sich bis ins 18. Jahrhundert fort: Wesentlich ist dabei stets das Ideal der Erhabenheit, welche sich durch eine „pathetische Schreibart“ in einem hohen Stil „voller Figuren“ und „verwegener Ausdrücke“ auszeichnet.[7] Typische Gattungsorte des Pathos sind daher die Tragödie, die Ode, die Elegie und das Heldengedicht. Im selben Jahrhundert kommt jedoch auch der Verdacht des Gekünstelten gegen das Pathetische auf, bis schließlich im Verlauf des 20. Jahrhunderts vorrangig Kitsch, Trivialität und Übertreibung mit diesem Phänomen verbunden werden.

Es lassen sich ästhetische und poetologische Fragestellungen daran knüpfen. Welche Funktionen hat Pathos? In welchen zeitgenössischen, theologischen, philosophischen und politischen Problemstellungen ist es verankert? Gibt es eine Ästhetik des Pathos? Welche Auswirkungen auf der Formebene sind zu verzeichnen? Welches sind bevorzugte Mittel zur Erzeugung von Pathos? Welchen Stellenwert haben in diesem Zusammenhang Gattungen, Medien und andere Kunstformen? Lassen sich in historischer Perspektive Wandel und Kontinuitäten des Pathos-Phänomens, eventuell gar Pathos-Paradigmen, unterscheiden?

Besonders willkommen sind Aufsätze aus den Gebieten Philosophie, Literaturwissenschaft, Theologie, Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft, Filmwissenschaft, Politologie, Soziologie u.a.

Bitten schicken Sie Ihre Abstracts bis zum 1.3.2017 an kuehn-walter@uni-landau.de und hayer@uni-landau.de

via H-Germanistik

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