Tagung „Aktualität. Zur Geschichte literarischer Gegenwartsbezüge“, Bonn (02.–04.02.2017)

„Aktualität. Zur Geschichte literarischer Gegenwartsbezüge“ – Tagung im Rahmen des DFG-Schwerpunkt ‚Ästhetische Eigenzeiten‘ | Bonn

Datum der Veranstaltung: 2.-4. Februar 2017

Stefan Geyer und Johannes F. Lehmann

Die Beziehung zwischen ‚Literatur‘ und ihrer jeweiligen ‚Gegenwart‘ unterliegt in mehrfacher Hinsicht historischen Transformationen, die in ihren vielfältigen Erscheinungsformen und Begründungsschichten Gegenstand der geplanten Tagung sind. Noch immer aber sind die Konzeptualisierungen von ‚Gegenwart‘ in ihrer Historizität weitgehend unbeachtet und noch immer ist der Begriff ‚Gegenwartsliteratur‘ meist bloß ein im Hinblick auf Periodisierungsgrenzen umkämpfter Epochenbegriff. ‚Die Gegenwart‘ entsteht aber als reflexiver Zeitbegriff überhaupt erst Ende des 18. Jahrhundert. Zugleich muss ‚Gegenwart‘ als spezifisch zeitlicher Gegenstand der (literarischen) Rede allererst etabliert werden. Zur ‚Gegenwart‘ (literarisch) zu sprechen ist sehr lange durchaus nicht selbstverständlich, sondern im Gegenteil aus sozialen, politischen und juristischen Gründen durchaus (und auch heute noch) problematisch. Wer zur gegenwärtigen Lage der Dinge öffentlich Stellung nehmen darf und wer nicht (und in welcher Form bzw. welcher Gattung), ist ein für die Literaturgeschichte zentrales, aber untergründiges und bisher wenig beachtetes Thema der ‚Ordnung des Diskurses‘.

Vor diesem Hintergrund geht es der Tagung um die Frage nach Bezügen der ‚Literatur‘ auf Gegenwart als Gegenwart. Es geht darum zu fragen, wie jeweils um 1700, um 1800, um 1900 oder auch um 2000 – ‚Gegenwart‘ als Zeitbegriff konstruiert wird und wie sich hierzu dasjenige verhält, was jeweils als ‚die Literatur‘ konturiert wird. Dies soll in drei Hinsichten geschehen:

Erstens geht es um die diachron-vergleichende Erforschung der vielfältigen literarischen Aktualitäts- und Gegenwartsbezüge und ihrer programmatischen Reflexion in der deutschen (und/oder europäischen/amerikanischen) Literaturgeschichte vom 17. Jahrhundert bis heute.

Zweitens geht es um die Frage nach größeren Zäsuren der Verzeitlichung, um die Validität der sogenannten Sattelzeit, um die Frage nach Bedingungen und Zusammenhängen für Prozesse der Diskursivierung von Gegenwart, Zeitgenossenschaft, Contemporariness etc. und um die Frage nach den Gründen für Aktualitätsschübe bzw. ihre Abwehr.

Drittens schließlich geht es um die darstellungstheoretische Frage nach Zusammenhängen, Korrespondenzen und Interdependenzen zwischen literarischen Formen, Verfahren der Vergegenwärtigung und Gegenwartsbezügen der Literatur.

Programm

Donnerstag, 2.2.2017

14.00 Uhr Stefan Geyer/Johannes F. Lehmann: Begrüßung und  Einleitung
14.30 Uhr Elke Dubbels (Bonn): Beispiellose Öffentlichkeit. Zu Andreas Gryphius’ „Carolus Stuardus“
15.30 Uhr Stephan Kraft (Würzburg): Grimmelshausens Mummelseeepisode und die Gegenwart der Utopie
16.30 Uhr Kaffeepause
17.00 Uhr Dirk Oschmann (Leipzig): Tempomacher des Gegenwärtigen: Fielding und Sterne
18.00 Uhr Stefan Geyer (Bonn): Die Entdeckung des Menschen in der Zeit. Gegenwart und Anthropologie

 

Freitag, 3.2.2017

9.30 Uhr Daniel Fulda (Halle): Historisierung als Erzeugung von Gegenwärtigkeit
10.30 Uhr Nicola Kaminski (Bochum): 25. Oktober 1813 oder Journalliterarische Produktion von Gegenwart, mit einem Ausflug zum 6. Juli 1724
11.30 Uhr Kaffeepause
12.00 Uhr Max Bergengruen (Karlsruhe): ‚Ueber unsere gegenwärtige Lage‘. Historische Modelle als zeitgenössische Alternativen in Stifters literarischer Ökonomie
13.00 Uhr Mittagspause
15.00 Uhr Irmtraud Huber (Bern): „A truth looks freshest in the fashion of the day“: die Gegenwartskontroverse in der Viktorianischen Lyrik
16.00 Uhr Christian Moser (Bonn): Aktualität und Globalität in den ästhetischen Programmen der Avantgarden, 1900-1930
17.00 Uhr Kaffeepause
17.30 Uhr Peter Risthaus (Bochum): Gegenwartsangriff. Alexander Kluge zwischen Hegel, Godzilla und King-Kong
18.30 Uhr Johannes F. Lehmann (Bonn): „Gegenwartsliteratur“: Der begriffsgeschichtliche Befund

 

Samstag, 4.2.2017

9.30 Uhr Kerstin Stüssel (Bonn): Jüngster Realismus und Postcontemporariness
10.30 Uhr Ulrike Vedder (Berlin): Gespenster der Gegenwart (Peltzer, Röggla)
11.30 Uhr Kaffeepause
11.45 Uhr Ursula Geitner (Bonn): ‚Das entscheidet die Zeit’. Konstitutionsbedingungen von Gegenwartsliteratur – und das Laboratorium
13.00 Uhr Ende der Tagung

 

Kontakt:

Stefan Geyer
Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft
Rheinische Friedrich-Wilhelms Universität Bonn
stefan.geyer@uni-bonn.de

via H-Germanistik

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