Doppelt Augen machen: Internationale Tagung „Poetiken des Staunens“, Zürich (01.–04.02.2017) | Interdisziplinäre Tagung „Verblüffen und Überwältigen. Geistige Anregung und Affektsteuerung in der spanischen Kunst des 17. Jahrhunderts“, München (03.-05.02.2017)

Internationale Tagung „Poetiken des Staunens“ | Hauptgebäude der Universität Zürich, Rämistrasse 71, Hörsaal KO2-F-152

Datum der Veranstaltung: 1.-4. Februar

Poetiken des Staunens

Abschlusstagung des SNF-Sinergiaprojektes „Poetik und Ästhetik des Staunens“ (www.staunen-projekt.com)

KONZEPTION: Mireille Schnyder, Nicola Gess, Hugues Marchal, Johannes Bartuschat

Staunen als eine Emotion, die mit Verwirrung und Verunsicherung, aber auch Begehren und Genuss verbunden wird, ist weder begrifflich noch phänomenologisch leicht zu fassen. Und doch bildet es seit der Antike den Kern verschiedener diskursiver Ordnungsmuster, von der antiken Philosophie, deren Anfang seit Aristoteles und Platon im Staunen gesetzt ist, über die Rhetorik und Poetik, die über Verfremdungs-, Überraschungs- und Steigerungseffekte Staunen beim Rezipienten bewirken wollen, bis zur christlichen Erkenntnislehre, die im Staunen vor der Schöpfung den Anfang der Gottessuche sieht oder die konzentrierende Hinwendung zu Gott in eine graduelle Steigerung von Staunensmomenten fasst; aber man denke ebenso auch an die philosophische Ästhetik, deren Begründer Baumgarten der „thaumaturgia aesthetica“ ein ganzes Kapitel seiner Ästhetik widmet.

Als „kognitive Emotion“ (Daston), die genuin mit Wissen verbunden ist, indem sie eine epistemische Grenze indiziert, die sich sowohl auf logischreflektiertes Wissen beziehen kann als auch auf Wahrnehmungs- und Erfahrungswissen, ist Staunen außerdem eng an Wissenstraditionen sowie Verfahren der Wissensgenerierung und -vermittlung gebunden. Aus dem Kontext künstlerischer, aber auch technischer Praktiken lässt sich das Staunen somit nicht herauslösen. Staunen ist nicht nur der Anfang der Philosophie und der Anfang der Ethnologie (Schlesier), sondern auch, wie die Tagung zeigen möchte, Anfang und Ziel von Dichtung. In ihm sitzt der Keim der Imagination, und das Staunen der Zuhörer – vor der Kunst des Erzählers wie vor der darüber entstehenden Größe des Erzählten – ist erklärtes Ziel der Poetiken und implizites Ziel der Texte. Im Staunen verschränken sich der Philosophos und der Philomythos, wie schon Aristoteles sagte.

P R O G R A M M

Mittwoch, 1.2.17

18:00 Mireille Schnyder (Zürich) / Nicola Gess (Basel): Eröffnung

18:30 Fritz Breithaupt (Bloomington): Wie wird Neugier erweckt? Wunder, Überraschung und Frage in narrativer Hinsicht

Donnerstag, 2.2.17

Moderation: Mireille Schnyder (Zürich)

9:30 Maximilian Benz (Zürich): Aspekte einer historischen Poetik des Staunens um 1200

11:00 Selena Rhinisperger (Zürich): Von ‚wundern‘ und ‚âventiuren‘ im Artusroman

12:00 Susanne Reichlin (München): Das Staunen Marias

Moderation: Johannes Bartuschat (Zürich)

15:00 Andrea Elmer (Zürich): Die ‚Hypnerotomachia Poliphili‘ als (vergessenes) Paradigma einer Poetik des Staunens

16:30 Angela Oster (München): Metafora, Meraviglia, Maniera. Kunstkonzepte des Staunens im italienischen Barock

Freitag, 3.2.17

Moderation: Natascha Adamowsky (Freiburg i. Br.)

9:30 Daphne Jung (Zürich): La faiblesse de la volonté. Pathos und Passivität bei Georges de La Tour

Moderation: Hugues Marchal (Basel)

11:00 Baldine Saint Girons (Paris): Le sublime, le terrible et l’étonnant chez Burke

12:00 Anne-Gaëlle Weber (Arras): La nécessité poétique de l’étonnement. Curiosités, monstres et merveilles dans la littérature de voyage du tournant des XVIIIe et XIXe siècles

15:00 Thibaud Martinetti (Basel): Indicible insecte. La faillite du langage et son étonnante réhabilitation chez Michelet

16:30 Natascha Adamowsky/Johannes Bartuschat/Nicola Gess/Hugues Marchal/Mireille Schnyder: Roundtable-Gespräch: Perspektiven auf eine Poetik des Staunens

Samstag, 4.2.17

Moderation: Nicola Gess (Basel)

9:30 Christopher Miller (New York): The „Surprizing“. Permutations of Wonder in the 18th Century English Novel

11:00 Micha Huff (Basel): Meisters Maschinen. Zur Poetik des ‚Wunderbaren‘ in J.W. Goethes Roman ‚Wilhelm Meisters Lehrjahre‘ (1795/96)

12:00 Cornelia Zumbusch (Hamburg): Blendung und Einsicht. Variationen des Wunderbaren in der Novellistik (Tieck, Goethe)

TAGUNGSORT: Hauptgebäude der Universität Zürich, Rämistrasse 71, Hörsaal KO2-F-152

KONTAKT: Maximilian Benz (Maximilian.Benz@ds.uzh.ch)

via H-Germanistik


Interdisziplinäre Tagung „Verblüffen und Überwältigen. Geistige Anregung und Affektsteuerung in der spanischen Kunst des 17. Jahrhunderts“ | Instituto Cervantes, Alfons-Goppels-Straße 7, 80539 München

Datum der Veranstaltung: 3.-5. Februar 2017

Interdisziplinäre Tagung begleitend zur Ausstellung »Spaniens Goldene Zeit« in der Kunsthalle München

Die Kunst des Siglo de Oro will uns intellektuell und emotional in ihren Bann ziehen: Sie verblüfft und überwältigt. Ein solches Spiel mit dem Rezipienten zeichnet auch heute zahlreiche Kunst und Medienphänomene aus, sodass die Strategien der Künstler des 17. Jahrhunderts eine neue Bedeutung gewinnen. Die Tagung eröffnet unterschiedliche Perspektiven auf die Wirkungskraft barocker Kunst und versammelt dafür (Kunst-)Historiker, Literatur- und Kulturwissenschaftler ebenso wie Restauratoren und Marketingexperten. Die Vorträge richten sich nicht nur an das Fachpublikum, sondern auch an interessierte Kunstliebhaber.

Programm

Freitag, 3. Februar 2017, 18:30 Uhr

ERÖFFNUNGSVORTRAG
Prof. Dr. Joseph Imorde (Universität Siegen, Kunsthistoriker): »Die Gabe der Tränen. Affektübertragung in der Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts«

Samstag, 4. Februar 2017, 10:00 Uhr

10 UHR
Moderation: Dr. Martina Bengert (LMU München)
Prof. Dr. Michael Scholz-Hänsel (Universität Leipzig, Kunsthistoriker): »Bildwitz und emotionale Ansprache in der Malerei Jusepe de Riberas«

11:15 UHR
Dr. Johanna Schumm (LMU München, Literaturwissenschaftlerin): »Ingenium, Scharfsinn, Witz. Konzeptismus und Malerei im 17. Jahrhundert«

14 UHR
Moderation: Manfred Boes (Instituto Cervantes München)
Catalina Heroven (Staatliche Museen zu Berlin, Kunsthistorikerin): »Das Theater Calderón de la Barcas und die Malerei«

15 UHR
Prof. Dr. Enrique Gavilán (Universidad de Valladolid, Historiker): »La teatralidad de las procesiones: entre drama y ritual« / »Die Theatralität der Karwochenprozessionen: Zwischen Drama und Ritual« (Simultanübersetzung)

16:15 UHR
Miguel González de Quevedo Ibáñez (Liebieghaus, Frankfurt am Main, Dipl.-Restaurator): »Aparentemente real. Materiales y técnicas para crear la ilusión en la escultura barroca« / »Täuschend echt. Techniken und Materialien der Illusionserzeugung in der spanischen Barockskulptur« (Simultanübersetzung)

Sonntag, 5. Februar 2017, 10:00 Uhr

10 UHR
Moderation: Anja Huber (Kunsthalle München, Kunsthistorikerin)
Prof. Dr. Niklaus Largier (University of California, Berkeley, Literaturwissenschaftler): »Striemen und Küsse: Verkörperung der Passion zwischen Technik und Erotik«

11:15 UHR
Sven Kielgas (München, Marketing- und Markenexperte) im Gespräch mit Dr. Nerina Santorius (Kunsthalle München, Kunsthistorikerin): »Kunst und Marketing. Ein heutiger Blick auf visuelle Kommunikation im 17. Jh.«
danach: Abschlussdiskussion

12:30 UHR
Ende der Tagung

via romanistik.de | Weitere Informationen auf der Homepage der Kunsthalle München

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