CfP: „Dialog der Künste: Literatur und Musik“, Lodz (30.12.2016)

Call for Papers für die internationale Tagung Dialog der Künste: Literatur und Musik | Universität Lodz

Deadline Abstract: 30. Dezember 2016
Datum der Veranstaltung: 23.-26. März 2017 | Anmeldefrist: 30. Dezember 2016

Was Hegel in seiner überbeanspruchten These vom „Ende der Kunst“ zum Ausdruck brachte, nämlich „das Ende ihrer Dominanz als umfassende Form der Orientierung“ (A. Gehtmann-Siefert) nahmen Denker des 20. Jahrhunderts – u.a. Heidegger, Arnold Gehlen und Adorno wieder auf. Unabhängig von der persönlichen Einstellung zum postmodernen Gedankengut sind wir Zeugen eines sich endgültig, wie es scheint, wandelnden Status der Kunst, auch der Literatur. Am radikalsten formuliert es Peter von Zima 2008 in seiner Analyse des europäischen Künstlerromans: In seinem düsteren Szenario konstatiert er die Vereinnahmung der Kunst und Literatur durch die Wirtschaft und die voranschreitende Marginalisierung der Kunst und Literatur, auch der Literaturwissenschaft, die immer mehr der Dominanz der Kulturwissenschaft weicht. Auf die beschleunigten Veränderungen der Wahrnehmung und den Eingriff der Medien in den Bereich des Sozialen und Psychischen reagiert die Forschung mit neuen Grundfragen und Konzepten. Eine noch lange nicht ausgeschöpfte Inspirationsquelle bietet die Perspektive der interdisziplinären Komparatistik, im Rahmen derer auch die vielfacettierten Relationen zwischen Literatur und Musik eine wichtige Stelle einnehmen. Es ist dies ein Forschungsgebiet, das erst seit den achtziger und neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts verstärkt fokussiert wird (Calvin S. Brown, Steven P. Scher). Demnächst ist denn auch bei De Gruyter das Handbuch Literatur & Musik aus der Reihe „Handbücher zur kulturwissenschaftlichen Philologie 2“ (hrsg. v. Claudia Benthien / Ethel Matala de Mazza / Uwe Wirth) zu erwarten.

Musik und Literatur sind beide auditorische, dynamische und temporale Künste. Mit unserer Lodzer Konferenz wollen wir an komparatistische Fragestellungen zu der Erforschung der Wechselverhältnisse zwischen den beiden Schwesterkünsten anknüpfen und dies in Anlehnung an die zum Flügelwort avancierte These Oskar Walzels von der „wechselseitigen Erhellung der Künste“ (1917), die in der Horaz` Idee von heteronomer Natur der Künste gründet, tun. Musik-literarische Filiationen betreffen dabei zum einen die Thematisierung von unterschiedlich funktionalisierten Musik-Zitaten und erfassen zum anderen auch strukturell-rhetorische Analogien (z.B. „Strukturzitat“ bzw. formale Mimesis). In diesem Fall überschreiten die beiden Künste ihren ontologischen Status und nähern sich der jeweils anderen Kunst an. Ohne die skeptische Linie der Erforschung des Grenzgebiets außer Acht zu lassen, die besonders am letzteren Aspekt Anstoß nimmt, wird hier Musik zum Anlass für durch vielfache Korrespondenzen generierte poetologische bzw. metatextuelle und semantische Reflexion.

Auf die Typologie von Steven Paul Scher rekurrierend, werden wir uns insbesondere auf das Thema „Musik in der Literatur“ (verbal music bzw. erzählte Musik: Musik als Sujet des literarischen Diskurses und zugleich die häufigste Form; und außerdem: word-music d.h. Wort- bzw. Sprachmusik; musikalische Form- und Strukturparallelen) sowie „Musik und Literatur“ (Kombination von musikalischer Komposition und literarischem Text: Vokalmusik / Wort-Ton-Kunstwerke) besinnen. Im Mittelpunkt des Interesses steht die neuere und neueste deutschsprachige Literatur, eine willkommene Erweiterung des Sichtfeldes würden aber auch Repräsentationen der Wechselwirkungen der beiden Künste in der vormodernen Literatur darstellen. Zu den „Klassikern“ auf dem Gebiet des Dialogs zwischen Literatur und Musik zählen u.a. E.T.A. Hoffmann, Thomas Mann, Heimito von Doderer, Thomas Bernhard, Ingeborg Bachmann, Elfriede Jelinek, Friederike Mayröcker, Gert Jonke. Zu denken wäre aber auch an die reiche Gesangs- und Liedkultur der Jahrhunderte vom Mittelalter bis zur Aufklärung genauso wie an die Autoren der Wiener Gruppe oder an literarische Experimente der sog. Popautoren wie Rainald Goetz oder Thomas Meinecke. Unser Blick reicht quer über Gattungen: Lyrik (Musik- / Lautgedicht), Drama, Hörspiel sowie Prosa, wo sich besonders stark die Frage nach der sog. „Musikalität“ des Sprachkunstwerks stellt, was dann zutrifft, wenn die für die Musik typischen paradigmatischen Relationen auf die Literatur übertragen werden.

Die germanistische Perspektive soll nach unserer Intention durch Beiträge zu deutschen bzw. österreichischen Musik- und musikologischen Motiven in der polnischen Literatur ergänzt werden. Sollen die entsprechenden Meldungen eintreffen, so wie wir es uns erhoffen, werden die Referate in polnischer Sprache in einer separaten Sektion vorgetragen.

Ihre Vorschläge – Beitragstitel, Abstract (ca. 900 Zeichen) mit Angabe Ihrer Heimatuniversität – senden Sie bitte an

j_firaza@poczta.onet.pl

kubisiak@uni.lodz.pl

Anmeldetermin: 30.12.2016

Die Konferenzgebühr beträgt 400 zl / 100 EUR und umfasst Übernachtung und Verpflegung sowie Drucklegung des geplanten Tagungsbandes. Übernachtungsmöglichkeit gibt es im renovierten Universitätshotel, das wir für Sie reserviert haben. Reisekosten können wir leider nicht übernehmen. Wir freuen uns auf Ihre Beiträge.

Prof. Dr. habil. Joanna Jabłkowska

Dr. habil. Joanna Firaza

Dr. habil. Małgorzata Kubisiak

via H-Germanistik

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