CfP: Tagung „Politische Literatur. Debatten, Begriffe, Aktualität“, Erlangen (30.11.2016)

Call for Papers für dieTagung „Politische Literatur. Debatten, Begriffe, Aktualität“ | Erlangen

Deadline Abstract: 30. November 2016
Datum der Veranstaltung: 5. bis 7. Oktober 2017

Im 20. Jahrhundert korrespondierten Phasen der intensiven literarischen Selbstreflexion politisch agierender Autorinnen und Autoren häufig mit Hochphasen einer theoretisch-wissenschaftlichen Thematisierung politischer Literatur. Zu denken ist hier an W. Benjamins Kritik der ‚Linken Melancholie‘, an J.-P. Sartres Konzept der ‚littérature engagée‘ oder auch T.W. Adornos ‚Engagement‘-Aufsatz. Bisweilen waren literaturwissenschaftliche Untersuchungen – etwa der 1960er/70er Jahre – womöglich aufgrund ihrer Verschränkung mit zeitgenössischen Debatten tendenziös gefärbt und transportierten auch in ihrer Begrifflichkeit einen gewissen Dogmatismus. Als konstruktiv erweisen sich dagegen Ansätze aus der älteren und jüngeren Literaturwissenschaft, die um eine distanzierte Deskription bemüht sind und gleichzeitig die Schwierigkeiten einer neutralen Begrifflichkeit bzw. Methodik mitdenken, z.B. M. Janz (1976), W. Hinderer (1978), M. Hubert (1992), S. Neuhaus/R. Selbmann/Th. Unger (2002), J. Brokoff/U. Geitner/K. Stüssel (2016).

Gegenwärtig scheint sich die Auseinandersetzung mit politischen Themen, poetischen Verfahren und dem schriftstellerischen Engagement von Autorinnen und Autoren erneut zu intensivieren. Hierbei ist der öffentliche wie literaturwissenschaftliche Diskurs erfreulicherweise von einer großen Pluralität und Offenheit gezeichnet. Dies birgt allerdings die Gefahr, allzu leicht in eine inflationär pauschalisierende Rede von der ‚politischen Gegenwartsliteratur‘ abzurutschen. Zudem kreist die theoretische Reflexion politischer Texte oft um wichtige, aber stets wiederkehrende Inhalte (u.a. Genderdebatte, ökologische Verantwortung, Flüchtlingsproblematik). Die in diesem Kontext verwendeten Begriffe und Konzepte (‚engagierte Literatur‘, ‚Tendenzliteratur‘, ‚eingreifendes Denken‘) sind häufig auf den Bezugsrahmen ihrer historischen Entstehung rückgebunden, so dass ihre Tragfähigkeit für aktuelle Konstellationen erst geprüft werden muss. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Veränderungen sowohl in der politischen Kultur (z.B. das Erstarken des Populismus oder die Krise der repräsentativen Demokratie) als auch in der medialen Aufbereitung des Politischen, etwa durch die Neuen Medien, muss die Frage nach der definitorischen Bestimmung, der Impulsfunktion und Position politischer Literatur grundlegend neu reflektiert werden.

Die Tagung will daher eine systematische Revision des Begriffs ‚politische Literatur‘, seiner poetologischen Konzeptionierungen und literaturwissenschaftlichen Modellierungen vornehmen. Die historische Perspektivierung kommt hierbei der systematischen zugute, da Bezugstexte unterschiedlichster Gattungen und Formate (Primärtexte, Preisreden, Manifeste, Essays, Briefe, Blogs, Interviews etc.) als Referenzpunkte der Untersuchung literarischer Selbstreflexion fungieren können. Die zu betrachtenden Texte sollten aus dem Zeitraum vom ausgehenden 18. Jh. bis zur Gegenwart (z.B. von F. Schiller, H. Heine, K. Tucholsky, H.M. Enzensberger) gewählt werden, wobei der Kanon einschlägiger Autorinnen und Autoren hierzu gerne um Neu- und Wiederentdeckungen erweitert werden kann.

Für die Tagung  „Politische Literatur. Debatten, Begriffe, Aktualität“ sind daher Beiträge gesucht, die die Fragestellung nach der aktualisierten Fundierung des Begriffs ‚politische Literatur‘ in den Blick nehmen und mittels konkreter Textbeispiele zu einer kritischen Bestandsaufnahme und definitorischen Neuverortung beitragen.

Die Tagung findet vom 5. bis 7. Oktober 2017 in Erlangen statt.

Wir möchten ausdrücklich Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus der Neueren deutschen Literaturwissenschaft, der Komparatistik, der Kultur- und Politikwissenschaft dazu auffordern, sich für die Tagung zu bewerben. Bewerbungen mit einem Exposé (max. 2000 Zeichen) senden Sie bitte bis zum 30. November 2016 an:

c/o Anna Hampel, Manuel Illi
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Dep. Germanistik und Komparatistik
Bismarckstraße 1
91054 Erlangen
anna.hampel@fau.de, manuel.illi@fau.de

via H-Germanistik

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