CfP: „Täuschend echt. Falschmeldungen und Fakes, 1835–1938“, Köln (25.11.2016)

Call for Papers für die Konferenz „Täuschend echt. Falschmeldungen und Fakes, 1835–1938“ | Universität zu Köln

Deadline Abstract: 25. November 2016
Datum der Veranstaltung: 21. bis 23. September 2017

Über Genese, Bedeutung und Verbreitung von Nachrichten ist, zumal im Bereich der medienhistorischen Forschung des 19. und 20. Jahrhunderts, viel geschrieben worden. Obwohl gerade für die lange Jahrhundertwende zahlreiche Untersuchungen zu Medientypen und -ereignissen vorliegen, fehlen Studien zur Entstehung, Funktion und Wirkung von Falschnachrichten und Fakes fast völlig. Während die Herausbildung verbindlicher Kriterien für verlässliche Nachrichten als zentrales Entstehungselement des modernen Journalismus beschrieben wird, werden ‚falsche‘ Nachrichten – wenn überhaupt angesprochen – zumeist als vernachlässigende Momente des Scheiterns abgetan.

Hier setzt die Konferenz an, indem sie die medientechnischen Voraussetzungen, sozioökonomischen Rahmenbedingungen und arbeitspragmatischen Produktionsprozesse von Falschnachrichten und Fakes thematisiert. Es gilt, den Stellenwert und die Bedeutung solcher Meldungen für die Formierung des modernen Nachrichtenwesens zu untersuchen. Anhand verschiedener Medien – von den ersten Massenblättern und der Illustrierten Presse über die Anfänge des Films und des Radios – erstreckt sich der Untersuchungszeitraum von Edgar Allan Poes Hoaxes  der 1830er Jahre bis zu Orson Welles‘ Hörspiel „War of the Worlds“ von 1938.

Denn dieses Jahrhundert umfasst mehr als nur die viel zitierte Entfaltung der Massenpresse. Der Siegeszug des Boulevards und die zunehmende Bedeutung von Nachrichtenagenturen resultierten ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in einer progressiven Professionalisierung des Berufsstands von Redakteuren, Reportern und Korrespondenten. Dies führte, so die Grundannahme, erstens zur Durchsetzung formeller Qualitätsmerkmale der Prägnanzbildung und Strukturierung von Nachrichten (z.B. in Form der ‚inverted pyramid‘, Flash-Nachrichten und Schlagzeilen), zweitens zur Ausbildung nachrichtlicher Standards empirisch-faktischer Beglaubigung (z.B. Quellenangaben, Autorensignaturen und Anführungszeichen) sowie drittens zu ethischen Richtlinien der Produktion ‚wahrer‘ Nachrichten (z.B. Codes of ethics, Handbücher und ausformulierte Regelsysteme).

Im Gegensatz zu ungewollten Falschmeldungen und gezielter Propaganda bezeichnen Fakes Kippfiguren des Journalismus. Sie gelten solange als faktisch und authentisch, wie sie nicht entdeckt werden. Ihre Beschreibung als rasch zu kittende Bruchstelle des journalistischen Systems geht daher am Kern der Sache vorbei. Denn für diese besondere Form der Täuschung waren Aufdeckung und die darauf folgende Enttäuschung nicht akzidentiell, sondern konstitutiv. Fakes, zumal in ihrer avantgardistischen Inszenierung, wollten – von den Urhebern ex post dementiert – durchschaut werden. Das Oszillieren an der Grenze zwischen Fakt und Fiktion und der beständige Statuswechsel zwischen Autor, Fälscher, Entdecker, Kritiker und Künstler waren für den Fake zentral. Damit erweist sich die Ironisierung nachrichtlicher Meldungen gerade nicht als ein Phänomen der Postmoderne. Sie stellt vielmehr ein zentrales Element der Ausbildung des modernen Journalismus und der dafür notwendigen arbeitspraktischen Selbstvergewisserung dar.

Die einzureichenden Beiträge können einerseits konkrete Fallstudien darstellen, die innerhalb des angegebenen Zeitraums spezifische Fakes in bestimmten Medien untersuchen. Andererseits sind auch theoretisch-methodische Untersuchungen sowie international vergleichende, gerne glo­balgeschichtlich perspektivierte Fragen nach der Genese und dem historischen Wandel des Be­griffs und des Konzepts der ‚Falschmeldung‘ sowie der Ästhetik und Ethik des Fälschens, Abschreibens und Kopierens erwünscht. Willkommen sind auch Fragestellungen, die auf die ‚Intermedialität‘ von Fakes, d.h. das Zusammenspiel von Text, Foto, Film und Radio sowie deren jeweiligen Beglaubigungsstrategien abheben.

Die Tagung findet vom 21. bis zum 23. September 2017 an der Universität zu Köln statt. Reise- und Übernachtungskosten sollen übernommen werden. Zur Finanzierung der Tagung werden derzeit verschiedene Optionen geprüft.

Beitragsvorschläge in einem Umfang von maximal 2.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) sowie eine kurze biobibliographische Notiz sind bis zum 25. November 2016 bei Volker Barth (volker.barth@uni-koeln.de) und Michael Homberg (michael.homberg@uni-koeln.de) einzureichen. Nach Bewerbungsschluss erhalten die Beiträger bis zum 1. Dezember Bescheid, ob sie eingeladen werden.

Dr. Volker Barth / Dr. des. Michael Homberg
Universität zu Köln
Historisches Institut
Albertus-Magnus-Platz
50923 Köln

via H-Germanistik

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