Vortrag: „Wir sind, weil wir erzählen: Der kanadische Soziologe Arthur Frank über Krankheit als Grenzerfahrung“, Mainz (07.11.2016)

Wir sind, weil wir erzählen: Der kanadische Soziologe Arthur Frank über Krankheit als Grenzerfahrung | Universität Mainz

Datum der Veranstaltung: 7. Novembver 2016 |  Uhrzeit und Ort: 11:30 Uhr im Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin auf dem Campus der Universitätsmedizin Mainz, Am Pulverturm 13, 55131 Mainz

Vortrag am 7. November 2016 auf Einladung des DFG-Graduiertenkollegs „Life Sciences – Life Writing: Grenzerfahrung menschlichen Lebens zwischen biomedizinischer Erklärung und lebensweltlicher Erfahrung“

(Mainz, 2. November 2016, voi) Wie verorten wir uns selbst in der Welt? Wie werden wir zu den Menschen, die wir sind? Und wie gerät unsere Welt aus den Fugen, wenn wir mit plötzlicher oder chronischer Krankheit konfrontiert sind? Niemand hat diese Verbindung zwischen Krankheit und Narration so umfassend beschrieben wie der Soziologe Prof. Arthur W. Frank, der am 7. November 2016 mit seinem Vortrag „Selves, Their Guidance System, and Narrative Fallibility“ an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zu Gast ist. In diesem Vortrag wird Frank auf Einladung des Graduiertenkollegs „Life Sciences – Life Writing: Grenzerfahrung menschlichen Lebens zwischen biomedizinischer Erklärung und lebensweltlicher Erfahrung“ den von ihm entwickelten Ansatz der „socio-narratology“, eine Verbindung zwischen Soziologie und Literatur, vorstellen.

Die Veranstaltung beginnt am Montag, 7. November 2016, um 11:30 Uhr im Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin auf dem Campus der Universitätsmedizin Mainz, Am Pulverturm 13, 55131 Mainz. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich zu diesem englischsprachigen Vortrag eingeladen. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Arthur W. Frank, international renommierter Professor für Soziologie an der University of Calgary in Kanada, beschreibt in seiner Arbeit, dass es vor allem Erzählungen sind, die uns helfen, durch eine immer komplexer werdende Welt zu navigieren. Oft hilft uns gerade die Literatur, uns in einer von Traumata und Krisen geprägten Umgebung zurechtzufinden. Solche Krisen, schreibt Frank, können Gesellschaften ebenso betreffen wie den Einzelnen selbst. Dies gilt auch und gerade für Erfahrungen von Krankheit oder Behinderung. Denn die moderne Biomedizin gibt uns immer neue Möglichkeiten, die Grenzen unseres Lebens zu verändern – von der technologisch assistierten Reproduktion bis hin zu lebensverlängernden Maßnahmen und Fragen der Sterbehilfe am Lebensende. Gerade weil diese Entwicklungen uns das Gefühl geben, unser Leben in nie dagewesenem Maße verändern zu können, erleben wir Krankheit und Behinderung mehr denn je als eine Grenzerfahrung, durch die unser Leben aus den Fugen gerät. Eine ebensolche Grenzerfahrung beschreibt Arthur W. Frank in seinem inzwischen in eine Vielzahl von Sprachen übersetzten Buch The Wounded Storyteller (Der verwundete Erzähler): Darin spricht er über die Erfahrung der Krankheit nicht in ihrer Abstraktion, sondern aus der Perspektive des Einzelnen. Indem er aus der Ich-Perspektive über die eigene Krankheit schreibt, betont Frank angesichts immer komplexer werdender Entscheidungsprozesse der modernen Biomedizin die Rolle subjektiver Erfahrung, wie sie in Formen des „life writing“ – etwa in Form von Tagebüchern, Blogs oder Patientenerzählungen – zum Ausdruck kommt.

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Graduiertenkolleg „Life Sciences – Life Writing“ wird gemeinsam getragen vom Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin (GTE, Universitätsmedizin Mainz) und dem Transnational American Studies Institute der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Weitere Informationen:

https://www.grk.lifesciences-lifewriting.uni-mainz.de/files/2016/10/Plakat_Arthur-Frank.pdf – zur Veranstaltung

https://www.grk.lifesciences-lifewriting.uni-mainz.de/ – DFG-Graduiertenkolleg „Life Sciences – Life Writing“

Kontakt:
Prof. Dr. Mita Banerjee
Transnational American Studies Institute
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Jakob-Welder-Weg 18
55128 Mainz
Tel. 06131 39-22711/22481
E-Mail: mita.banerjee@uni-mainz.de
http://obama-institute.com/banerjee/

Prof. Dr. Norbert W. Paul
Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin (GTE)
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Am Pulverturm 13
55131 Mainz
Tel. 06131 17-9545
E-Mail: npaul@uni-mainz.de
http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Medhist/

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Veranstaltungen, Vermischtes abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.