Kant und die Neurowissenschaften

Was in der Ästhetik seit 200 Jahren diskutiert wird, haben nun auch NeurowissenschaftlerInnen herausgefunden: Eine neuropsychopharmakologische Forschergruppe der Erasmus-Universität in Rotterdam hat auf dem ECNP-Kongress, der vom 17. bis 20. September in Wien stattfand, eine Pilotstudie vorgestellt, der zufolge ein zentraler Aspekt der Kantschen Kritik der Urteilskraft (1790) empirisch feststellbar ist.

In der Studie wurde untersucht, ob das Gehirn unterschiedliche Reaktionsmuster beim Betrachten von Bildern aufweist, je nach dem, ob den Betrachtenden bewusst ist, dass es sich um das Abbild eines realen Gegenstandes handelt oder um ein Kunstwerk. ProbandInnen zeigten tatsächlich deutliche Unterschiede in ihrer emotionalen Reaktion, abhängig davon, welche begleitenden Informationen ihnen zu den betrachteten Bildern geliefert wurden. Der Leiter der Forschergruppe, Noah van Dongen, fasst zusammen:

“When we think we are not dealing with reality, our emotional response appears to be subdued on a neural level. This may be because of a tendency to ‘distance’ ourselves from the image, to be able to appreciate or scrutinize its shapes, colours, and composition instead of just its content. We know that our brains may have evolved with ‘hard-wired’ mechanisms that allow us to adjust our response to objects depending on the situation. What this work indicates, is that Kant’s two century old theory of aesthetics, where he proposed that we need to emotionally distance ourselves from the artwork in order to be able to properly appreciate it, might have a neurological basis and that art could [sic] useful in our quest to understand our brain, emotions, and maybe our cognition.”

Eine ausführliche Darstellung der Forschungsergebnisse finden Sie in der Pressemitteilung des European College of Neuropsychopharmacology, die über idw verbreitet wurde.

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