CfP für ein Sonderheft von „helden.heroes.héros.“ mit dem Thema „HeldInnen und Katastrophen“ (30.09.2016)

Call for Papers für ein Themenheft des E-Journals helden.heroes.héros. Frühjahr/Sommer 2017

Deadline Abstract: 30. September 2016 | Deadline Beitrag: 1. Februar 2017

Erscheinungsdatum: Frühjahr/Sommer 2017

Helden und Heldinnen prägen das Orientierungswissen nicht nur europäischer Kulturen seit dem Altertum. Ob antike Heroen wie Odysseus und Achill, biblische Helden wie David und Judith, mittelalterliche Volkshelden wie Robin Hood und Jeanne d’Arc, nationale Revolutionshelden wie Danton und Marat, literarische Helden und Anti-Helden wie Don Quijote und Faust oder zeitgenössische Figuren wie Lara Croft und Batman, immer schon dienen Helden und Heldinnen als Projektionsflächen und Identifikationsfiguren für Individuen, soziale Gruppen oder gar ganze Gesellschaften. Der Freiburger Sonderforschungsbereich 948 „Helden – Heroisierungen – Heroismen“, der für die Herausgeberschaft der Open Access-Publikation „helden. heroes. héros. E-Journal zu Kulturen des Heroischen“ verantwortlich zeichnet, steht exemplarisch für diesen Perspektivenwechsel in der Heldenforschung. Sein besonderes Interesse gilt dabei dem Spannungsverhältnis zwischen der Exzeptionalität von Heldenfiguren und den sozialen Ordnungen, die durch sie stabilisiert, aber auch in Frage gestellt werden.

Naturkatastrophen, Krieg und Terror, wirtschaftliche Zusammenbrüche oder technische Super-GAUs sind von immenser kultureller Bedeutung. Als Ereignisse von außerordentlicher Dimension können sie etablierte Ordnungen außer Kraft setzen, werden als Zäsuren wahrgenommen und gehen als traumatische Ereignisse in das kollektive Gedächtnis ein. Dabei bleibt das Heroische oft im toten Winkel der kultur-, sozial- und geschichtswissenschaftlichen Zugänge – obwohl gerade außerordentliche Ereignisse außerordentliche Figuren fordern oder hervorbringen.
Das geplante Themenheft möchte diesen Zusammenhängen in interdisziplinären Fallstudien aus Vergangenheit und Gegenwart nachgehen: Welche Rolle spielt das Heroische in Katastrophenwahrnehmungen, Katastrophenerzählungen und medialen Inszenierungen von Katastrophen?

Fallstudien könnten sich beispielsweise den folgenden Fragen widmen:

  • Welchen spezifischen Heldenbedarf erzeugen Katastrophen? Dienen HeldInnen der Bewältigung von Katastrophen, der Irritation, oder der medialen Inszenierung und Verstärkung von Katastrophenwahrnehmungen? Gibt es Katastrophen ohne HeldInnen?
  • Worin manifestiert sich heroische agency in Situationen von katastrophalen Ausmaßen? Woran scheitern HeldInnen in Katastrophen? Gegen wen oder was richtet sich heroische Agonalität?
  • Welche Rolle spielt Gewalt oder Gewalterfahrung?
  • Wie verhalten sich HeldInnen in Katastrophen zu etablierten Strukturen von Macht, Autorität oder ethischen Codes? Wie sind dabei kulturelle Systeme wie Class, Gender, Race mit Entwürfen des Heroischen verschränkt?
  • Auf welche heroischen Typen, Mythen oder Modelle wird in Katastrophendarstellungen zurückgegriffen? Werden neue Typen von Helden angesichts von Katastrophenerfahrungen geschaffen? Kommt es eher zu einer Konkurrenz heroischer Modelle, oder zu einer Konvergenz?
  • Welche HeldInnen gibt es in verschiedenen mythischen Modellen von Katastrophen – etwa der antiken ekpyrosis, der christlichen Apokalypse, in dystopischen Szenarien?
  • Wie verhalten sich Heldenfiguren zu Opferfiguren, wie Einzelne zu Kollektiven?
  • Gibt es HeldInnen, die Katastrophen herbeiführen oder verschärfen?
  • Was passiert nach einer Katastrophe mit heroischen Figuren? Werden sie erinnert, vergessen, verschiebt sich ihre Bedeutung?

Der Call for Papers richtet sich an WissenschaftlerInnen aus allen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Es sind nachdrücklich Beiträge zu allen Kulturen und Epochen willkommen.
Interessierte senden bitte Abstracts zu ihrem Aufsatzvorhaben im Umfang von ca. 2000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) mit einem kurzen Anschreiben (akademischer Werdegang, Forschungsschwerpunkte) bis zum 30.9.2016 an: e-journal@sfb948.uni-freiburg.de
Die Aufsätze sollen eine Länge von 40.000 Zeichen nicht überschreiten und können in deutscher, englischer oder französischer Sprache abgefasst sein. Die fertigen Aufsätze sollen bis zum 1.2.2017 eingehen, aus den Manuskripten wird nach dem für wissenschaftliche Publikationen üblichen Peer-Review-Verfahren ausgewählt. Wir freuen uns auf interessante Beiträge.

Christiane Hansen, Kristina Sperlich und Jennifer Trauschke

http://www.helden-heroes-heros.de

e-journal@sfb948.uni-freiburg.de

via H-Germanistik

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