CfP: Material und Begriff. Arbeitsverfahren und theoretische Beziehungen Walter Benjamins

WBWorkshop

Förderpreis Walter Benjamin Nachwuchsworkshop, gefördert durch: International Walter Benjamin Society / Walter Benjamin Archiv / Zentrum für Literatur- und Kulturforschung

Material und Begriff. Arbeitsverfahren und theoretische Beziehungen Walter Benjamins

Ort: Berlin, Zentrum für Literatur- und Kulturforschung

Konzeption und Organisation: Konstantin Baehrens, Jan Loheit, Nicos Tzanakis-Papadakis, Frank Voigt

Datum: 24.03.2017 – 26.03.2017

Einreichungsschluss: 01.10.2016

Url: www.benjaminsmaterial.org

E-Mail: contact@benjaminsmaterial.org

Walter Benjamins relativ geringen Wirkungs- und Veröffentlichungsmöglichkeiten zu Lebzeiten steht heute eine breite, internationale Rezeption gegenüber, die sein Werk häufig als das eines Außenseiters ansieht. Das damit einhergehende Benjamin-Bild eines ›nonkonformistischen‹ Intellektuellen hat dazu beigetragen, dass ein wesentliches Spezifikum seiner Arbeitsweise aus dem Blick geraten ist: seine Auseinandersetzung mit politischen Gruppierungen und sozialen Bewegungen entlang unterschiedlicher Materialien, v.a. Periodika und Monographien. In isolierenden und den Denker idealisierenden Lektüren geht nicht auf, was Benjamins Werk bis heute so interessant macht: seine konstruktive Arbeit am Begriff, die aus einem intensiven Studium eines heterogenen Materials, ja mitunter ganzer Materialsammlungen hervorging und darauf angewiesen war. Werden seine Texte als reine kultur-, literatur-, medientheoretische oder philosophische Abhandlungen gelesen, entgeht dieser methodische Aspekt seines Denkens und Arbeitens.

Der geplante Workshop fragt nach dem Verhältnis von Benjamins Arbeit am Material und seiner in dieser Arbeit gründenden begrifflichen Reflexion. Den Ausgangspunkt sollen Benjamins Arbeitskonvolute bilden, die sich mit sozialhistorischen und politischen Themen befassen (etwa die Konvolute aus der Passagenarbeit E: Haussmannisierung, Barrikadenkämpfe, U: Saint-Simon, Eisenbahnen, V: Konspirationen, compagnonnage, W: Fourier, X: Marx, a: soziale Bewegung, k: die Kommune). Die Konvolute gilt es, weder als bloße Sammlungen noch als Steinbruch zu lesen, aus dem beliebig Passagen in eine vorausgesetzte Theorie projektiv integriert werden, sondern Benjamins Methode soll durch die wechselseitige Konfrontation von beidem – Materialsammlungen und Quellen einerseits mit der Theorie und den entwickelten Begriffen andererseits – an Beispielen herausgearbeitet werden. Über die in den Arbeitskonvoluten genannten Quellen hinaus sind weitere von Bedeutung, über deren Studium Benjamin in Briefen berichtet. Benjamin war ein intensiver Leser von Zeitungen und Zeitschriften. Dieser Aspekt seines Arbeitens ist umso wichtiger, als er in seiner Schreibweise einschließlich der von ihm verwendeten Begriffe die jeweiligen Veröffentlichungskontexte seiner Arbeiten berücksichtigte und zugleich versuchte, kritisch in sie hineinzuwirken. Eine zumindest kursorische Lektüre der Zeitschriften, in denen Benjamin veröffentlichen konnte, war für ihn daher ebenso unumgänglich wie eine Positionierung zu ihrer Programmatik.

Mögliche Themen für Beiträge:

  • Die Zeitschrift „Die Kreatur“ (1926-1930), Benjamins dort erschienener Reisebericht „Moskau“ und seine Positionierung zur Zeitschrift
  • Die Zeitschrift „Die Neue Zeit“ (1883-1923), Benjamins Arbeitskonvolut „Exzerpte aus der Neuen Zeit“ (Walter Benjamin Archiv, MsNZ 1397-1707) sowie sein Aufsatz „Eduard Fuchs, der Sammler und der Historiker“ (1937)
  • Die Zeitschrift „Die Gesellschaft“ (1924-1933), ihre politisch-theoretische Ausrichtung sowie Benjamins Positionierung dazu in seinen größeren Rezensionen, die in der Zeitschrift erschienen sind: „Linke Melancholie“, „Ein Außenseiter macht sich bemerkbar/Politisierung der Intelligenz“, „Krisis des Romans“, „Theorien des deutschen Faschismus“
  • Benjamins Rezeption der zeitgenössischen rechts- und politikphilosophischen Debatten (u.a. Otto Kirchheimer, Karl Korsch, Carl Schmitt)
  • Arthur Rosenbergs „Geschichte des Bolschewismus“ (1932), „Die Entstehung der deutschen Republik“ (1928) (später publiziert als „Entstehung und Geschichte der Weimarer Republik“) sowie Benjamins Rezeption
  • Benjamins Rezeption der Arbeiten Georg Lukács’, etwa „Die Seele und die Formen“ (1911),„Theorie des Romans“ (1916), „Geschichte und Klassenbewußtsein“ (1923), „Größe und Verfall des Expressionismus“ (1934), „Es geht um den Realismus“ (1938)
  • Benjamins Studium der Französischen Revolution 1789, der Julirevolution 1830, der Revolutionen 1848 in Europa sowie der Pariser Kommune 1871 und ihre Verwertung in seinen Arbeiten
  • Benjamins Auseinandersetzung mit der sowjetischen Kulturpolitik
  • Benjamins Lektüre der französischen Utopisten Henri de Saint-Simon und Charles Fourier sowie Pierre-Joseph Proudhon, Auguste Blanqui und Paul Lafargue
  • Benjamins Auseinandersetzung mit dem epischen Theater Bertolt Brechts
  • Benjamins Auseinandersetzung mit jüdischen, islamischen und auch christlichen Quellen und Theorien

Der Workshop sieht vor, die klassische Form aus Vortrag und Diskussion mit einer kollektiven Arbeitsweise zu kombinieren. Mit Hilfe der Internetseite www.benjaminsmaterial.org soll eine inhaltlich aufeinander abgestimmte Arbeit ermöglicht werden. Material und Begriff, Arbeitskonvolut und fertiger Text, intellektuelle Beziehung und theoretischer Bezug Benjamins sollen in verschiedenen Sektionen behandelt werden, die aus zwei (etwa 20minütigen) Beiträgen bestehen: Der jeweils erste Beitrag fokussiert auf die Primärquelle, der jeweils zweite auf Benjamins Exzerpte und theoretische Verwertung in seinen Texten. Die Vortragenden werden dazu angehalten, in jeder Sektion in einem gemeinsamen, abschließenden Statement vor der Diskussion der jeweiligen Beziehung von Material und Begriff nachzugehen. Die Referate werden drei Wochen vor Beginn des Workshops für Teilnehmende online verfügbar sein und ein Austausch zwischen ›Material‹- und ›TheoriereferentIn‹ über die Internetplattform koordiniert.

Explizit erwünscht sind Abstracts von jungen Forschenden (bis zu etwa zehn Jahre nach der Promotion) aus Sozial- und Geschichtswissenschaften, auch von solchen, die bislang nicht zu Benjamin, dafür jedoch zu einem der oben genannten Themen gearbeitet haben. Die Abstracts (nicht mehr als 500 Wörter) können in deutscher oder in englischer Sprache per E-Mail als pdf-Datei eingereicht werden. Sie sollten folgende Informationen enthalten: Titel, Gegenstand und Fragestellung, Kontaktdaten der Vortragenden. Vorschläge können auch als Team zu zweit (Material- und Theorieteil) für ein ganzes Panel eingereicht werden.

Ein passives Verständnis beider Sprachen wird vorausgesetzt. Zu- und Absagen werden bis zum 31.10.2016 verschickt. Bis zu 250 € an Reisekosten können erstattet werden. Sollten deutlich höhere Reisekosten anfallen, bitten wir auf die Einreichung eines Vorschlags nicht zu verzichten. Wir bemühen uns in diesem Fall um Lösungen. Kosten für die Übernachtung im nahe gelegenen Hotel werden vollständig übernommen. Der Ort der Veranstaltung ist barrierefrei.

http://walterbenjamin.info/event/call-for-papers-material-und-begriff-arbeitsverfahren-und-theoretische-beziehungen-walter-benjamins-material-and-concept-working-methods-and-theoretical-relations-of-walter-benjamin/

http://www.benjaminsmaterial.org/cfp/

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