„Aus Lust am filmischen Müll“: Studie zum Trash-Film am MPIEA veröffentlicht

Der am Frankfurter Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik (MPIEA) forschende Filmwissenschaftler und Komparatist Keyvan Sarkhosh hat in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Poetics die Ergebnisse seiner Studie „Enjoying trash films: Underlying features, viewing stances, and experiential response dimensions“ (Hrsg. Keyvan Sarkhosh, Winfried Menninghaus. In: Poetics 57 (2016), S. 40-54) veröffentlicht.

Aus der Pressemitteilung des MPIEA:

„Fliegende Haie, laute Schreie, Blutgespeie – das sind etwa die Ingredienzien des Überraschungs-Trash-Hits ‚Sharknado‘“, erklärt Sarkhosh. Grundsätzlich sind Trash-Filme (entlehnt von „trash“, dem englischen Wort für Müll) meist amateurhaft produziert, haben ein geringes Budget und entsprechen nicht dem Mainstream-Geschmack. Dennoch gibt es vom Paradebeispiel „Sharknado“ mittlerweile vier Teile und viele Fans – eine Phänomen das Sarkhosh fasziniert: „Auf den ersten Blick erscheint es paradox, warum sich jemand bewusst und gezielt schlecht gemachte, peinliche und oftmals sogar verstörende Filme anschauen und daran Gefallen finden sollte. Ich habe mich deshalb gefragt, warum so etwas erfolgreich sein kann, wer solchen ,Schund‘ guckt und vor allem – warum?“ Um dem Phänomen auf den Grund zu gehen, hat der Wissenschaftler Trash-Film-Zuschauer befragt.

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„Billig“ – darin sind sich die Studienteilnehmer einig, trifft als Beschreibung für Trash-Filme am ehesten zu. Die Bezeichnung umfasst Filme aus verschiedenen Genres, fast alle Teilnehmer nennen aber Low-Budget-Horrorfilme als typische Beispiele. Die meisten Nennungen fallen dabei auf „Sharknado“, „Plan 9 from Outer Space“ und „The Toxic Avenger“. Wirklich ernst nimmt der typische Trash-Fan diese Filme aber nicht: Seine Haltung ihnen gegenüber ist vor allem eine ironische. Und obwohl sich die Studienteilnehmer darin einig waren, dass die Filme billig gemacht sind und als filmischer „Müll“ gelten, sehen sie diese doch überwiegend als eine Form positiver Unterhaltung. Mit ironischer Distanz betrachtet, sorgen Trash-Filme für „Amüsement“ – sie vermögen zu unterhalten und wirken komisch.

„Was unsere Ergebnisse vor allem bekräftigen: Trash-Fans sind nicht nur überwiegend männlich – fast 90 Prozent unserer Teilnehmer waren Männer –, sondern es sind vor allem enthusiastische Cineasten, für die Trash-Filme eine interessante und willkommene Abwechslung vom Mainstream-Allerlei darstellen“, berichtet Sarkhosh. „Wir haben es hier mit überdurchschnittlich gebildeten Zuschauern zu tun, die man in gewisser Weise als ‚kulturelle Allesfresser‘ bezeichnen könnte. Sie interessieren sich für ein breites Spektrum an Kunst- und Medienformen jenseits traditioneller Grenzen von Hoch- und Populärkultur.“ Dass das typische Publikum von Trash-Filmen diese vor allem aus einem künstlerischen Interesse heraus anschaut, ist eine der zentralen Erkenntnisse der Studie.

Quelle: idw

Die Studie kann hier abgerufen werden.

Auch der Nachrichtensender n-tv berichtet online über die Studie.

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