Stellenausschreibung ZfL: 6 Wiss. Mitarb. (Bewerbungsschluss 1. Juli 2016)

Im ZENTRUM FÜR LITERATUR- UND KULTURFORSCHUNG (ZfL) Berlin sind im BMBF-Forschungsprogramm „Europäische Kultur- und Wissenschaftsgeschichte“ zu besetzen:

6 Stellen Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in
Bezahlung nach TVöD E 13 (Bund)

zum 1. Januar 2017, befristet bis zum 31.12.2019

2 Stellen im Projekt: Theoriebildung im Medium von Wissenschaftskritik im
frühen 20. Jahrhundert

2 Stellen im Projekt: Formen und Funktionen von Welt-Verhältnissen

2 Stellen im Projekt: Lebenslehre, Lebensweisheit, Lebenskunst

(Ausführliche Projektbeschreibungen siehe unten.)

Voraussetzung: Abgeschlossene Promotion bzw. eröffnetes Promotionsverfahren in einem der unten genannten Fächer. Neben der Projekttätigkeit ist eine engagierte Mitarbeit am ZfL erwünscht. Die Bewerbung sollte die folgenden Unterlagen enthalten:

  • Motivationsschreiben
  • Skizze eines möglichen Teilprojekts mit deutlichem Bezug zum Forschungsprogramm des ZfL  (3 Seiten)
  • Lebenslauf, Publikationsliste, Zeugnisse
  • 2 aussagekräftige Aufsätze oder Kapitel

Bewerbungen sind bitte ausschließlich in elektronischer Form in einem einzigen PDF-Dokument an Frau Prof. Dr. Eva Geulen (bewerbungen@zfl-berlin.org) zu senden. Qualifizierte Frauen werden nachdrücklich aufgefordert sich zu bewerben. Schwerbehinderte werden bei gleicher Eignung und Qualifikation bevorzugt berücksichtigt.

Die Auswahlgespräche finden voraussichtlich in der 28./29. Kalenderwoche statt.

Bewerbungsschluss ist der 1. Juli 2016.


Theoriebildung im Medium von Wissenschaftskritik im frühen 20. Jahrhundert

‚Theorie‘ als Inbegriff verschiedener Diskurse zwischen den 1960er und 1990er Jahren wird bis heute mit einem anti-wissenschaftlichen, auch anti-philosophischen Affekt assoziiert, der in die Vergangenheit zurückweist. Diese Vorgeschichte der Theorie im Zusammenhang mit der um 1900 prominenten ‚Krise der Wissenschaften‘ steht im Zentrum des Projekts. Wie adressieren diese Debatten ‚Wissenschaft‘, welche Argumentationsfiguren, Textformate und Diskursmedien entstehen dort und wie wirken sie im späteren 20. Jahrhundert weiter? Gegenstand des Projektes ist nicht nur Wissenschaftskritik im geläufigen Sinne, sondern auch die Entstehung neuer Disziplinen wie Soziologie, Psychoanalyse und strukturalistische Sprachwissenschaft, die die älteren Wissenschaften kreuzen. Im Fokus des Projektes stehen jedoch nicht die in der Forschung bereits ausführlich aufgearbeiteten Fach- und übergreifenden Wissensgeschichten; vielmehr werden die in Rhetoriken und Darstellungsmodi kanonisierten Denkstile untersucht, mit denen Autoren oder Gruppen ihre prekäre Position zu stabilisieren suchen. Dazu gehören beispielsweise Rekurse auf nicht-wissenschaftliche Autoritäten wie Lehrer oder Propheten, auf nicht fachlich organisierte Denkfiguren wie das Tragische oder das Dämonische, sowie rhetorische Absetzungsgesten wie etwa die radikale Unterscheidung von der Alltagssprache oder auch gerade die Annäherung an sie. Das im Forschungsschwerpunkt „Theoriegeschichte“ angesiedelte Projekt geht davon aus, dass sich gerade auf dieser Ebene des theoretischen Diskurses Formationen untersuchen lassen, die quer zu den Schulen und Fraktionen liegen und zu einer interdisziplinären Historisierung der Theoriebildung entscheidend beitragen können.

Anforderung: Abgeschlossene Promotion (bzw. eröffnetes Promotionsverfahren) in Philosophie, neuerer Philologie, Theologie, Geschichte, politischer Theorie, Soziologie.

Formen und Funktionen von Welt-Verhältnissen

In die Lücke, die das antike Kosmosverständnis hinterlassen hat, rücken seit Mittelalter, Neuzeit und bis heute immer wieder neue Weltbegriffe mit ihren unterschiedlichen Deutungen. Als Inbegriff eines Ganzen oder einer Totalität ist jedes Verständnis von Welt auf interne Organisationsprinzipien angewiesen. Davon zeugen dualistische Unterscheidungen wie irdische und überirdische oder private und öffentliche Welt. Im Projekt werden diachron solche Welt-Verhältnisse untersucht, in denen Zwei-Welten-Modelle durch Zusammenhang stiftende Relationsmodelle ersetzt oder ergänzt werden. Figura und Erfüllung, Mikro- und Makrokosmos, Teil und Ganzes, Vielfalt und Einheit, Substanz und Modi sind Beispiele für relationale Modellierungen innerhalb eines Weltganzen. Historisch breitgefächert und in interdisziplinärer Perspektive sollen diese und andere Modellierungen von Welt mit Blick auf die gegenwärtigen Globalisierungsdiskurse untersucht werden: Welche Spuren haben diese z.T. sehr alten, vielfach theologisch oder philosophisch ausbuchstabierten Weltdeutungen in der heutigen Diskussion von Welt hinterlassen? Wie werden sie wirksam? Das im Forschungsschwerpunkt „Weltliteratur“ angesiedelte Projekt interessiert sich insbesondere für literarische und künstlerische Artikulations- und Vermittlungsformen. Wie gewinnen relationale Welt-Modelle in ihnen Gestalt? Wie verhalten sich die künstlerischen Formwelten zu dem jeweiligen Welt-Verhältnis?

Anforderung: Abgeschlossene Promotion (bzw. eröffnetes Promotionsverfahren) in alter oder neuer Philologie, Philosophie, Theologie, Religionswissenschaft.

Lebenslehre, Lebensweisheit, Lebenskunst

Die lange und langlebige Tradition der Lebensweisheit und Lebenskunst (heute in einer ausufernden Ratgeberliteratur als Lifestyle und Wellness verhandelt) hat zwei Pole: zum einen die Vorstellung, dass das Leben selbst eine Schule sei und Unterweisung zu bieten habe, zum anderen die Annahme, dass erst diese oder jene Lebensführung (oder auch die Geschichte gelebten Lebens) belehrend sei. Beide Vorstellungen mischen sich häufig. Vor allem aber sind sie gleichermaßen auf Formen, insbesondere literarische, angewiesen, die vom Sprichwort und Spruchweisheiten über Klugheitslehren bis zur zeitgenössischen Ratgeberliteratur reichen. In dieser Perspektive sind auch der Bildungsroman und die Tragödie Orte für die Verhandlung eines Lebens-Wissens, das sich vom biologischen, sei es ergänzend, sei es konterkarierend, unterscheidet. Das Projekt untersucht den Zusammenhang von Lebenslehre, Lebensweisheit und Lebenskunst diachron in seinen vielfältigen Erscheinungsweisen und widmet sich dabei besonders den Gattungen und Formen, in denen er sich historisch bis zur Gegenwart ausgeprägt hat. Von besonderem Interesse sind die Prozesse der Weitergabe und Tradierung von Lebenslehren im Aspekt der Zeitlichkeit des Lebensbegriffs: Generationenbeziehungen, Überlieferungszusammenhänge, Vergangenheits- und Zukunftsorientierungen. Dabei soll in diesem Projekt, das im Forschungsschwerpunkt „Lebenswissen“ angesiedelt ist, immer auch danach gefragt werden, ob und wie sich die Traditionen der Lebenskunst und Selbstsorge zum biologischen Wissen vom Leben verhalten. Interdisziplinäres Interesse an der Rückkopplung mit den anderen Projekten des Schwerpunkts wird daher vorausgesetzt.

Anforderung: Abgeschlossene Promotion (bzw. eröffnetes Promotionsverfahren) in alter oder neuer Philologie, Philosophie, Kulturwissenschaft, Wissenschaftsgeschichte.

© 2016 Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin

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