Ausschreibung: Internationale Sommerakademie des ZfL 2016

Realismus revisited
6. Internationale Sommerakademie des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) Berlin für Doktoranden/-innen und Post-Docs
Sonntag, 11. September bis Freitag, 16. September 2016

Leitung: Prof. Dr. Eva Geulen, Prof. Dr. Stefan Willer
Deadline: 30.04.2016

Abstract (English version below)

Während unsere Wirklichkeit sich medial, technologisch und politisch rasant wandelt, macht Realismus wieder von sich reden. In der Philosophie liest man vom spekulativen oder neuen Realismus, Politiker werben um mehr Realismus, in den Sozialwissenschaften beginnt man am Primat des Konstruktivismus zu zweifeln, und auch in der Literatur hat Realismus Konjunktur. Vor diesem aktuellen Hintergrund wollen wir die lange Geschichte der Realismus-Theorien und Realismusdebatten im Rahmen der Sommerakademie neu in den Blick nehmen.

Dabei bildet die Literatur unseren Ausgangspunkt. Seit dank Dantes ingeniöser Stilmischung die Literatur gewordenen Toten der »Divina Commedia« die Lebenden an Wirklichkeit und Lebendigkeit übertrafen, trat Realismus in fast schon regelmäßigen Abständen als Problem oder Programm in Erscheinung: Es geht um den figuralen, poetischen, programmatischen, bürgerlichen, sozialistischen, magischen, neuen, ästhetischen, spekulativen Realismus, ›border-realism‹ der Peripherien im Zeitalter der Globalisierung; und um korrelierende Gegenbegriffe wie Nominalismus, Materialismus, Idealismus, Romantik, Naturalismus, Expressionismus, Konstruktivismus, Virtualität. Im Namen des Realismus wird immer neu und immer anders die alte Frage nach dem Verhältnis der Literatur und der Künste als einer »Weise des Weltgestaltens« (Georg Lukács) zu einer Wirklichkeit gestellt, die dann als ihr Vorbild, Abbild oder Gegenbild erscheinen kann, als Stoff, Medium, Möglichkeit, Referenz, Autorität, Telos.

Im Zuge der kulturwissenschaftlichen Entgrenzung und Bereicherung des geisteswissenschaftlichen Fächerkanons sind die Kardinalprobleme des Realismus in den Künsten auf andere Gebiete abgewandert, wo sie unter neuen Voraussetzungen diskutiert werden: Poetologien des Wissens und Wissensgeschichte in der Literatur, New Historicism, Diskursgeschichte, Praxeologie, Evidenz-Theorien, vor allem aber die Bild- und die Medienwissenschaften haben die alten Fragen mit neuen Terminologien weitergeführt, oft ohne zu wissen oder wissen zu wollen, was sie im Gepäck haben. Deshalb lohnt es sich, nicht nur die neuen, sondern auch die alten Realismus-Debatten, Realismus-Theorien und Realismus-Phänomene in den Blick zu nehmen, ihren Stand und ihre Anschlussfähigkeit unter den Bedingungen des Fächerwandels und interdisziplinärer Schulung zu erproben.

Angesprochen sind Dissertations- oder Post-Doc-Projekte über alte und neue Realismen in den Künsten, ihrer Theorie und anderen Bereichen von Kultur und Gesellschaft.

vollständige Ausschreibung


Realism revisited
Abstract

Realism is back. Again. As medial, technological, and political changes radically alter our reality, concepts of realism have again taken center stage in intellectual debates: Philosophers are proposing speculative realism and new realism; politicians are demanding greater realism; social scientists are calling into question the primacy of constructivism; and in literature too, realism is once more en vogue. In light of these developments, the Summer Academy wants to take a fresh look at the long history of theories and debates on realism.

Literature will serve as our point of departure. Ever since Dante’s ingenious mixture of styles rendered the dead characters populating the world of the »Divina Commedia« so intensely real and animated, realism has periodically re-emerged as a problem or program: as figural, poetic, programmatic, bourgeois, socialist, magical, aesthetic, or peripheral realism. Each variant of realism is accompanied by a host of parallel and counter concepts such as nominalism, materialism, idealism, romanticism, naturalism, expressionism, constructivism, or vitality. Each realism raises anew the old question of literature’s and, more generally, art’s relationship to reality. As a way of world-making, realism shapes the reality that it then adopts as the material, content, medium, potential, reference point, authority, telos, or loss of art.

In the wake of the recent inter- and transdisciplinary expansion and enrichment of the humanities, the cardinal problems of realism in the arts have migrated into new areas of intellectual inquiry where they are being discussed under new premises such as the poetics of knowledge, the history of knowledge in literature, new historicism, discursive history, praxeology, and evidence theory, among others. Above all, media studies and visual studies have pursued these long-standing questions with new terminology – often without knowing or wanting to know what they are taking in tow. Hence, it is worthwhile to evaluate not only the current issues but also to revisit past debates, theories, and phenomena surrounding realism and to analyze them in terms of their applicability and relevance within the context of changing disciplinary boundaries and interdisciplinary possibilities in a globalized world.

We welcome Ph.D. students and postdocs working on different realisms, old and new, in the arts, in theory, as well as in other areas of culture and society.

Call for Proposals (full text)

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