Aus dem Netz gefischt: Hört, hört! — lyrikline.org

lyrikline.orgFrei nach Gertrude Stein: Ein Gedicht ist ein Gedicht ist ein Gedicht. Es ist, neben dem gedruckten auch das gesprochene, das gehaspelte, das gespuckte, gefluchte, geflüsterte Wort. Auf jeden Fall fehlt etwas, wenn es nicht klingt. Der Tatsache, dass Dichtung um eine Klang-Botschaft reicher ist als Prosa, pflichtet die Plattform lyrikline.org bei und gibt sich alle Mühe, dem Hallen und Schallen als „multilinguale Audio-Bibliothek für Poesie im Netz“ Raum zu verschaffen. Ziel ist es also, Poesie mittels „Hörerlebnis“ zu verbreiten. lyrikline ist keine große Dichterschlacht. Es ist der Versuch, Klang, Text und Autor als zusammengehörig zu präsentieren. Gleichzeitig aber Übersetzungen und international-poetische Zusammenarbeit zu fördern und somit Sprache liquide zu halten. Vorgestellt werden 1.020 AutorInnen – mitsamt Publikationsliste, Auszeichnungen und wichtigen Webauftritten, die über 9.200 Gedichte lesen, auf 62 Sprachen, von Deutsch, Französisch, Russisch, bis hin zu Afrikaans, Slowenisch, Persisch oder Chinesisch – selbst vor irischen Haikus macht lyrikline nicht Halt. Für Neulinge wie Maren Kames (*1984), über die es noch keinen Wikipedia-Artikel gibt, ist ebenfalls Platz wie für Altbekanntes von Jandl bis Bachmann. Neben dem „hörbaren Erbe“, dem Stimm-Archiv der Website, findet man schwerpunktmäßig Gegenwartspoesie. Die Gedichte werden u.a. nach Form, Genres und Themen rubriziert und sind auch über eine lokale Suchmaschine recherchierbar. lyrikline entstand 1999 auf Initiative der Literaturwerkstatt Berlin und wird u.a. von der Zentrale des Goethe-Instituts in München, der Zentral- und Landesbibliothek Berlin und vielen internationalen Netzwerkpartnern getragen. Als „exzellente Form einer zeitgemäßen, grenzüberschreitenden Kulturarbeit“ steht das Projekt zudem unter der Schirmherrschaft der deutschen UNESCO-Kommission.

– Gastbeitrag von Eva Kissel –

 

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