Konferenz: Europa leben, Europa schreiben: Literarische Ansichten der Urbanisierung und die ‚Provinzialisierung‘ europäischer Identitäten (15.-17.4.2014, Münster)

Die Graduate School Practices of Literature an der Universität Münster macht auf ihrer Website auf internationale Konferenz aufmerksam, die sich vor allem an den wissenschaftlichen Nachwuchs richtet. Zum Tagungsprogramm zu „Europa leben, Europa schreiben: Literarische Ansichten der Urbanisierung und die ‚Provinzialisierung‘ europäischer Identitäten“ führt dieser Link. Eine „Public Keynote“ über den literarischen Europadiskurs spricht am 16. April Prof. Paul Michael Lützeler (St. Louis). Ort der Veranstaltung (mit Ausnahme der Lützeler-Vortrags) ist das Alexander-von-Humboldt-Haus, Hüfferstraße 61, 48149 Münster; es wird eine Tagungsgebühr von 20 EUR erhoben.

Zum Thema:

Nach Dipesh Chakrabarty durchleuchtet die ‹Provinzialisierung› Europas die Vorstellung von Europa als Wiege der Moderne. Ihr Mehrwert liegt in der Produktion innovativer Konzepte in einer Debatte über Europa während und nach der Globalisierung. Doch das Konzept der ‹Provinzialisierung› ist nur ein Teil in einem Repertoire verschiedener kritischer Methoden, die kulturelle Parameter identifizieren, nach denen die Identitäten einzelner Regionen festgelegt werden (die, anders als bei Chakrabarty, auch innerhalb Europas liegen können). Diese dienen als Vorlage für regionale Gemeinschaften, die sich als Provinz oder gar Staat herausbilden. Ähnliche Parameter gibt es für urbane Identitäten, so dass es möglich wird, bei der Beschreibung der Urbanisierung in Europa Parallelen zu den Prozessen zu ziehen, die Benedict Anderson als konstitutiv für das Entstehen „imaginierter Gemeinschaften“ nennt – sei es die Herausbildung institutioneller Bezüge zwischen Territorium und religiösem Glauben oder zunehmende Zentralisierung politischer Systeme.

Ob Städte und Regionen dadurch an Bedeutung gewinnen (oder nur wieder verstärkt wahrgenommen werden), ist nur eine der zu klärenden Fragen. Im Sinne des „spatial turn“ sollen Stadt und Region nicht nur als geographische Gegebenheiten betrachtet, sondern die Prozesse der Urbanisierung und ‹Provinzialisierung› auf die mit ihnen verbundenen sozialen Praktiken und medialen Verfahren hin befragt werden. Die Veranstaltung will herausarbeiten, inwiefern urbane und regionale Literaturen Europa als imaginativen Bedeutungsraum reflektieren und konstruieren und welchen Wert solche Europa-Entwürfe heute haben.

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