CFP: Physik und Literatur

Call for Papers zur Gründungstagung des Interdisziplinären Zentrums ELINAS (Erlanger Zentrum für Literatur und Naturwissenschaften) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen 29.05 – 01.06.2014, Orangerie des Erlanger Schlosses „Physik und Literatur: Theorie – Popularisierung – Ästhetisierung

„Physik und Literatur/Literaturwissenschaft sind Diskurse der Wissensproduktion, die im Rahmen der modernen funktionalen Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Teilsysteme stark auseinandergetreten sind. Doch tragen beide Diskurse zum Verständnis und zur Bewältigung gegenwärtiger und zukünftiger Problemen bei, die sich nicht in ähnlicher Weise trennscharf kategorisieren lassen, sondern stets sowohl technologische als auch kulturelle Implikationen haben. Die Technologien und Weltbilder, die durch physikalische Erkenntnisse geprägt sind, bestimmen menschliche Lebenswelten und sind daher von enormer kultureller Relevanz. Die Bewertung und Abwägung ihrer Chancen und Risiken ist beständig neu zu leisten und kann nicht in den notwendigerweise engen Grenzen des physikalischen Diskurses allein verhandelt werden. Gerade gegenwärtig erscheinen zu physikalischen Themen so viele sachlich fundierte und hoch reflektierte literarische Texte wie nie zuvor. Sie überführen physikalisches Wissen aus mathematisch-symbolischen in sprachlich-polyvalente Darstellungsformen, indem sie es dialogisieren, narrativieren und an den kulturellen Gesamthorizont rückkoppeln. Dementsprechend untersuchen in jüngster Zeit auch die Sprach- und Literaturwissenschaften Verfahren der Diskursivierung und narrativen Modellierung physikalischer Theorien. Die Physik ihrerseits besinnt sich immer stärker auf die sprachliche Verfasstheit ihrer Forschung sowie auf deren gesamtkulturelle Dimensionen: So fragt sie nach der erkenntnisleitenden Kraft von Metaphern und den kommunikativen Bedingungen, die über Ziele, Prioritäten und ethische Grenzen des Forschens entscheiden. Diese Überschneidungsbereiche zwischen physikalischer und sprachlich-kultureller Praxis sind ein Forschungsfeld von anerkannter, wachsender Relevanz und vielfältiger Anschlussfähigkeit. Für seine Bearbeitung ist die unkonventionelle Vernetzung zweier hoch spezialisierter Expertendiskurse nötig. Zur Untersuchung naturwissenschaftlicher Begriffsbildung bedarf es der Kompetenzen der Sprach- und Literaturwissenschaft, während für die Analyse der Transformation physikalischen Wissens in Literatur die physikalische Perspektive vonnöten ist. Hierfür bietet ELINAS (Erlanger Zentrum für Literatur und Naturwissenschaften) eine Plattform. […] Die Tagung widmet sich der bisher nur punktuell erforschten Geschichte der Interrelationen zwischen Physik und Literatur und konzentriert sich dabei auf die einschlägigen epochenspezifischen Themenfelder. Während in der Frühen Neuzeit physikalisch vor allem Fragen zu „Bewegung“ und „Kraft“ zur Diskussion stehen und im 18. Jh. die Auseinandersetzung mit Newtons Mechanik und Optik dominiert (bis hin zu Goethes Farbenlehre 1810), führt die Ausdehnung experimenteller Untersuchungen, verbunden mit dem technischen Fortschritt, seit dem späten 18. Jahrhundert zu einer Gewichtsverlagerung hin zu chemischen (C. Berthollet, A. Lavoisier), thermischen (T. Young, N. Carnot) und elektromagnetischen Phänomenen (A. Volta, G. S. Ohm, M. Faraday, J. C. Maxwell), aber auch hin zur Astronomie, insbesondere in der Popularisierung (A. Clerke, S. Newcomb, J. Mädler). Diese rücken auch in der Literatur der Sattelzeit zunehmend in den Vordergrund (G. C. Lichtenberg, H. v. Kleist, A. v. Arnim). – Die Rekonzeptualisierung des Verhältnisses von Raumzeit und Materie-Energie in Einsteins Spezieller und Allgemeiner Relativitätstheorie und die Debatte um die Entwicklung der Quantentheorie zu Beginn des 20. Jahrhunderts werfen epistemologische Probleme auf, die bis in die Gegenwart hinein von der Literatur reflektiert werden und Strukturen des literarischen Schreibens prägen. Zentral ist dabei die Frage, wie anhand der Quantentheorie das Verhältnis zwischen Wissen und Nicht-Wissen problematisiert und zur Darstellung gebracht wird (H. Broch, M. Frayn). Ein weiteres Feld ist in diesem Zusammenhang auch die Wechselwirkung von natur- und literaturwissenschaftlicher Theoriebildung. Eine Sektion der Tagung wird der Vorstellung anderer einschlägiger Projekte, Netzwerke oder Initiativen zum Thema „Literatur und Naturwissenschaft“ gewidmet.“

Mehr zum Inhalt und zur Einsendung der Abstracts (bis zum 15. Februar 2014) finden Sie auf der Tagungsseite der FAU oder bei H-Germanistik.

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